DIE ZEIT: Frau Wagenknecht, Sie haben mal gesagt: "So, wie ich lebe, wollte ich nie leben." Warum tun Sie es dann?
Sahra Wagenknecht: Das bezog sich auf das typische Leben eines Berufspolitikers. So möchte ich immer noch nicht leben. Schon im Europaparlament war es schwierig. Nachdem ich dann 2009 in den Bundestag gewählt wurde, habe ich das erste halbe Jahr so gelebt wie vermutlich die meisten Politiker: Ich ging früh aus dem Haus, kam spätabends zurück, hetzte von einem Termin zum nächsten. Ich hatte zu nichts mehr Zeit. Es ging nur darum, irgendwo dabei zu sein, und überhaupt nicht mehr darum, eigene Gedanken zu fassen. Ich habe dann die Notbremse gezogen und meine Termine deutlich reduziert. Nur so habe ich es geschafft, trotz Mandat ein neues Buch zu schreiben. Seither kämpfe ich um meine Freiräume. Ich glaube nicht, dass ich meinen Lebensentwurf verraten habe.