Die hellen Augen, die unerschütterliche Höflichkeit, die gleichzeitige Freude an kantigen Wörtern wie "Überfremdungsängste", "treue deutsche Staatsbürger": Burkard Dregger.

Der schwäbische Tonfall, das fast schüchtern wirkende Lächeln, die Wangen, oder sind es doch die Augen? Matthias Filbinger.

Eine diffuse Ähnlichkeit und der erste Eindruck: irre. Ein Anblick, der einem so bekannt vorkommt und doch auch wieder ganz anders. Zwei Söhne berühmter deutscher Väter, zwei Konservative, der eine in der CDU, der andere bei den Grünen. Zwei Farben Schwarz. Zwei deutsche Söhne.

Ihre Väter waren Ikonen des Konservativen zu einer Zeit, als das Konservative noch ganz selbstgewiss war, unangekränkelt vom Hang zu öffentlichem Grübeln und Selbstzweifeln, sich selbst und anderen keine Rechenschaft ablegend. Hans Filbinger war Ministerpräsident in Baden-Württemberg, weil er als Marinerichter in der Zeit des Nationalsozialismus Todesurteile gefällt hatte, musste er 1978 zurücktreten. Alfred Dregger brachte die CDU in Hessen von 26 Prozent fast bis zur absoluten Mehrheit und war langjähriger Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Mit Franz Josef Strauß bildeten sie die berühmt-berüchtigte "Südschiene" der Union. Der Slogan "Freiheit statt Sozialismus", der meist Strauß zugeschrieben wurde, kam in Wirklichkeit von Filbinger, Dregger brachte ihn unters Volk.

Die Väter haben die Republik geprägt. Die Söhne sind der Politik mit Bedacht lange ferngeblieben. Nun haben auch sie sich aufgemacht, das Land zu verändern. Matthias Filbinger engagiert sich als Kommunalpolitiker in Stuttgart-Vaihingen für städtebauliche Projekte und gegen Stuttgart 21, Burkard Dregger bewirbt sich im September um ein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus. Wie interpretieren sie das Konservative, wie gehen sie um mit dem Erbe der Väter?

"Liebe für alle, Hass für keinen" prangt auf einem Banner an der Stirnwand eines schlichten Raums in der Pankower Tiniusstraße, davor steht an einem grünen Pult sehr gerade und aufrecht Burkard Dregger, blaues Hemd, blaue Krawatte, blaue Augen, in Socken. Dregger ist an diesem Frühlingsabend in die Khadija-Moschee gekommen, um einen Vortrag zu halten zum Thema "Deutsche Muslime – ihr Weg zu allgemein anerkannten Staatsbürgern". Der 47-Jährige ist der Meinung, dass dieser Weg allen Muslimen offenstehen sollte, wirklich offen, aber er ist durchaus auch der Meinung, dass es derzeit noch einige Probleme gibt.

Burkard Dregger hat in Genf, London und den USA studiert. Seit einigen Jahren hat er eine Anwaltskanzlei in Berlin. Er ist kein Politiker, noch nicht, er ist ein Kandidat, seitdem ihn die Berliner CDU gefragt hat, ob er sich vorstellen könne mitzumachen. Das Vorsichtige, Abgezirkelte, das man von Politikern kennt, ist Dregger fremd, er spricht mit großer Unbefangenheit Wörter wie "Überfremdungsängste", "Anpassung" und "Gesinnung" aus. Es ist ein Sound, den man selbst in der CDU kaum noch hört. Er erinnert, nun ja, an den alten Dregger.

Das Ziel von Integrationspolitik, sagt der junge Dregger, sei es, Menschen mit Migrationshintergrund zu "treuen deutschen Staatsbürgern" zu machen, ihnen die "Großartigkeit unserer Werteordnung" vor Augen zu halten, die keine kalte Paragrafenordnung sei, sondern Kulturgeschichte! Ihnen unsere Werte zu erklären, die "so einfach zu erklären und zu leben sind". Falsch findet Dregger es, so zu tun, als erwarte man "keine Anpassung" oder als gebe es keine Probleme. Die Bemühungen der Linken auf dem Sektor hält er für "gut gemeint, aber unwirksam".

Dregger ist gläubiger, man kann sagen glühender Katholik. Dass in Berlin Menschen wegen der vielfachen Missbrauchsfälle unter dem Dach der katholischen Kirche gegen den Besuch des Papstes im Herbst protestieren, empfindet er als Kränkung. "Das System katholische Kirche ist darauf angelegt, das Gute zu vollbringen, nicht Fehler zu begehen", sagt er. Ratzinger sei "ein deutscher Papst, auf den man stolz sein muss". Als gläubiger Mann begegnet Dregger dem Islam mit größtem Respekt – wo er als Religion verstanden werde.

Der politische Islam aber sei "ein Herrschaftssystem". Und: "Deshalb liegen die Menschen richtig, wenn sie Überfremdungsängste haben." Die Debatte, die Thilo Sarrazin losgetreten hat, fand Dregger alles in allem gut, "weil Probleme benannt wurden". Wenn man nun aber glaubt, er fände auch Thilo Sarrazin gut, liegt man daneben. Sarrazin, sagt Dregger stirnrunzelnd, betreibe Desintegration, "er hat daran mitgewirkt, Deutschland abzuschaffen. Denn er hat die vielen guten muslimischen Deutschen durch seine undifferenzierte Pauschalkritik unserem Land entfremdet." Nein, solch unpatriotische Umtriebe kann Dregger nicht gutheißen.