E.T. in diesem Mix, es grüßen Regisseure wie Richard Donner, Joe Dante und Robert Zemeckis, die damals aus altem Genrekram zeitgeistige Kinderfilme oder einfach nur begnadet kindische Filme machten. Der Alien-Komplex schließlich, der dem Medienbetrieb seit den fünfziger Jahren nicht auszureden ist, scheint momentan wieder einen kleinen Boom zu erleben – Spielberg etwa hat gerade im US-Fernsehen mit Falling Skies eine extrem feindliche Übernahme der Erde gestartet. Super 8 versammelt die Mythen und Motive dieser Sparte nahezu komplett, von der Idee, Aliens seien längst gelandet, über die Eisenbahnwaggons, in denen Extraterrestrische ständig durch die USA gekarrt werden, bis hin zu dem Klicken, Schmatzen und Cornflakes-Knuspern, das offenbar das gängigste galaktische Idiom ist. Und wenn Abrams, anders als sein Mentor, den Glauben an das Gute im Alien noch nicht ganz verloren zu haben scheint, dann hat das vielleicht damit zu tun, dass er den Kredit der traditionell versöhnlich gestimmten Star Trek -Fans nicht verspielen will.

Tatsächlich ist es vor allem der Mainstream, das Familien-Sommer-Popcorn-Kino der verspielten achtziger Jahre, dem Abrams seine Reverenz erweist: Steven Spielberg steckt mit

Gegen das Verblassen der geliehenen Bilder und Zeichen, gegen die Langeweile, die sich bei Zuschauern einstellen könnte, bietet Abrams sein nicht unbeträchtliches technisches Vermögen und seine Erfahrung mit Effekten auf.

Das Unheil baut sich schon auf der Tonspur auf

Wie in Star Trek geben scheinbar unbeabsichtigte Lichtreflexe dem Film etwas Raues, Fernsehhaftes, Direktes. Wie in Lost und Cloverfield baut sich das Unheil via Tonspur auf, und bevor es sich enthüllt, sieht man die Wirkung, die es auf die Dinge hat – von Geisterhand gefaltetes Metall, zerkrachende Bauten, zerfledderte Bäume, kurz: gequältes Material. Das Zugunglück ist zweifellos eine Wegmarke der Kinoaction: Die Inszenierung wirft buchstäblich mit Waggons nach den Kids, die Einschläge erinnern an die Zeiten von Dolby Sensurround – sie fahren direkt in die Magengrube. Auf dem Höhepunkt der Krise wird die Stadt ausgebombt: Panzer, Soldaten, Granaten, dazwischen zwei Jungs, die sich in einem zerstörten Haus zusammenkauern. Vielleicht ist das, für sich genommen und eingebettet in jede Menge Großaufnahmen von Kindergesichtern, noch nicht beunruhigend. Aber in den Kinos nebenan lässt Michael Bay gerade mit Transformers die Maschinenmoderne über seinen – immerhin führerscheinberechtigten – Helden zusammenstürzen (ausführender Produzent: Steven Spielberg), und Lord Voldemort schleudert Leuchtspurgeschosse auf den flüchtenden Harry Potter. Wird der Sommer 2011 in die Annalen eingehen als die Saison, in der das Kino die Kinder in den Krieg schickte? Jedenfalls ist das Familien-Popcorn-Kino ganz schön anstrengend geworden.