Ein Irrtum macht keine Freude. Es sei denn, man hat etwas zu schwarz gesehen. Das tat ich, als Kolumbien vor knapp einem Jahr seinen neuen Präsidenten wählte . Juan Manuel Santos erschien damals als treuer Paladin des rechten Autokraten Álvaro Uribe. Der hatte in dem gewalttätigen Land mit der größten Kokainproduktion der Welt und den meisten Binnenflüchtlingen nach Sudan und Kongo erfolgreich die linken Farc-Rebellen bekämpft, die einst für Bodenreformen fochten und als Drogenbanden endeten.

Uribes engste Parteifreunde, Vertraute und Verwandte konkurrierten als heimliche Partner der rechten Paramilitärs und Todeskommandos. Santos machte mit. Als Verteidigungsminister.

Seine Soldaten drangen 2008 in das benachbarte Ecuador ein, um Farc-Rebellen zu vernichten. Auch verschleppten und töteten sie unschuldige Landsleute aus den Armenvierteln, zogen ihnen Rebellen-Uniformen an und kassierten die vom Regime ausgelobten Kopfprämien für Guerilleros. Mir war klar, dass der neue Präsident Santos das Erbe Uribes fortsetzen würde.

Doch wenig später wandte sich Santos seinen Nachbarn zu. Schon zur Amtseinführung erschien Ecuadors Präsident Rafael Correa in der Hauptstadt Bogotá – er hatte nach Kolumbiens Grenzverletzung die Beziehungen abgebrochen. Drei Tage später empfing Santos Venezuelas Präsident Hugo Chávez . Der hatte 2009 die diplomatischen Kontakte abgebrochen, nachdem sein Intimfeind Uribe den USA sieben Militärbasen in Kolumbien zugesichert hatte.

Und unfassbar für alle Uribe-Anhänger ernannte der neue Präsident auch noch María Angela Holguín zur Außenministerin. Die beste Diplomatin Kolumbiens war von 2002 an zwei Jahre Botschafterin in Venezuela, übernahm den gleichen Posten in den USA – und trat 2006 wegen Uribes Nepotismus zurück. Auch holte sich Santos nicht wie Uribe gleich nach Amtsantritt den ersten Segen in den USA. Stattdessen reiste er im November mit 80 Delegationsmitgliedern zunächst nach Venezuela.

Die Bilder von diesem Besuch müssen den Ex-Präsidenten geschockt haben. Strahlend tauschten Santos und Chávez als "neue beste Freunde" Handelsverträge aus.