Ein Hauch von Kleinmut weht mich an, als B. fragt: "Können wir für zwei Wochen die Autos tauschen?" Seines erschien ihm zu klein für den Familienurlaub. Ich denke: Mein schöner alter Rentner-Benz, träge wie ein Butterdampfer, soll nach Italien fahren? Mit B., seiner 14-jährigen Tochter und zwei ihrer Freundinnen? Der Rentner-Benz, so alt wie B.’s Tochter, ist eines jener Exemplare, die niemals schlappmachen, praktisch kein Öl verbrauchen und beim TÜV einfach durchrollen.

Das wird er auch überleben, sagte ich mir schließlich. Sollen sie den Kofferraum vollpacken, Rihanna hören und sich in die Sitze lümmeln. Etwas umständlich erläutere ich B. die Launen und Eigenheiten des alten Benz. Dann steige ich in seinen "motorisierten Einkaufswagen", wie er ihn selbst nennt.

Unterwegs im Mercedes rufen mir Radfahrer oft nicht selten Unflätiges entgegen oder zeigen mir wenig freundliche Gesten. Nun überall nur gelassene Radfahrer. Liegt es am Marken-Image? Oder an der zurückhaltenden Optik?

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Der Renault Modus wirkt wie ein Sachbearbeiter aus einer der bürgerlichen Banlieues. Tag für Tag fährt er klaglos ins Büro. Unauffälliger Anzug. Mit einem Schulterzucken scheint er zu sagen: "Was soll’s? Der Alltag muss halt gewuppt werden, dafür braucht man keinen Bentley. Wir Sachbearbeiter haben auch unser Leben, die Sonne scheint für jeden."

Im Verkaufsdeutsch ist der Renault Modus ein "Mini-Van", eine Kreuzung aus Kleinwagen und Kleinbus. Man sitzt angenehm hoch und kommt trotzdem beinahe in jeden Parkplatz. Der Innenraum ist dem französischen Retro-Futurismus gewidmet. Das kurz übersetzte Getriebe ist für leichtfüßige Fahrten in der Stadt ausgelegt. Der Motor erledigt einfach seinen Job. Nicht gerade leidenschaftlich, aber eben auch: ohne viel Aufhebens.

Vielleicht bleiben mir die Autos von Freunden immer ein wenig suspekt. Ich will sie auch gar nicht zu gut kennenlernen, sonst geriete ich in Versuchung, den Freunden Mängel aufzuzählen, und würde als Nörgler dastehen: "Die gefühllose Lenkung. Türen, die zickig zurückfedern..."

Natürlich hat B. die drei Grazien und Rihanna mit meinem Rentner-Benz anstandslos durch Italien gefahren.

"Wie war’s?", fragt B. – "Super", sage ich. "Und", frage ich B., "hat er Öl gebraucht?" – "Nicht einen Tropfen." Später finde ich im Kofferraum eine leere Öldose.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 55 kW (75 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 13,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h
CO2-Emission: 138 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
Basispreis: 12.900 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor