"Was", fragt Michael Buback, "ist so viel bedeutsamer als die Klärung eines Mordes?"

Buback gibt sich immer pflichtbewusst, nie emotional. Nur selten bricht es aus ihm heraus. Aber er schwankt. Er frage sich manchmal, sagt er, ob er sich all das nicht ersparen solle. Die mühsamen Fahrten zum Gericht frühmorgens von Göttingen nach Stuttgart, die zähen Verhandlungstage. Buback ist 66 Jahre alt, er ist ein angesehener Chemie-Professor. Er braucht keine Nebentätigkeit als Ermittler. "Ich habe einen anspruchsvollen und zeitaufwendigen Beruf."

Seine Entwicklung vom CDU-nahen Bildungsbürger zu einem, der den Glauben an Gewissheiten verloren hat, bezeichnete er selbst einmal als einen "ungeheuer schmerzlichen Prozess". Er habe ihn "über eine Grenze hinweggeführt". Der Faden, den er aufnahm, hat sich für ihn zu einem Dickicht von Merkwürdigkeiten versponnen.

Dass Buback auf eine Tragödie zusteuert, scheint er nicht wahrzunehmen. Er jagt einem Verdacht hinterher, dem Staatsskandal, den er nicht beweisen kann und den es allem Anschein nach auch nicht gab. Immer mehr verheddert sich der Sohn in dem Versuch, Details zu beweisen, die staatliche Ermittler vermeintlich unterdrücken wollten. Er präsentiert Zeugen, die heute, nach 34 Jahren, sagen, dass neben einem Rettungshubschrauber ein zweiter, mysteriöser Hubschrauber nur Minuten nach der Tat am Tatort gelandet sei. Fünf Männer seien ausgestiegen, hätten Fotos gemacht, mit Polizisten gesprochen und seien dann wieder abgeflogen – Verfassungsschützer?

Je länger das Verfahren dauert, desto überzeugter gibt sich Buback. "Zu 99 Prozent", sagt der Nebenkläger mittlerweile, sei er sicher, "wie es gelaufen ist".

Der Sohn hat sogar die Ermordung seines Vaters nachgestellt, mit seinem eigenen Kombi und dem Motorrad eines Nachbarn daheim auf einem Parkplatz in Göttingen.

Nachher ist er überzeugt, der Täter habe nicht nur von der Beifahrerseite auf den Dienstwagen gefeuert, sondern die Motorrad-Besatzung habe den Dienst-Mercedes seines Vaters auch noch umrundet. Und dazu, da ist sich Michael Buback sicher, hätte es eine motorraderfahrene Sozia gebraucht. Wie Verena Becker.