Die Umsatzzahlen stürzten mit einer beängstigenden Geschwindigkeit ab. Keine Frage, der mittelständische Werkzeughersteller für Handwerksbetriebe war in eine Existenzkrise geschlittert. Alle Mitarbeiter sorgten sich um ihre Arbeitsplätze. Doch einer tat mehr, er fragte sich: Was wäre, wenn wir künftig Werkzeug nicht nur für Firmen, sondern auch für Hobbybastler anfertigten? Aus eigener Initiative klapperte er Baumärkte ab, um den Bedarf zu klären. Diese Idee servierte er dann seinem Chef . Es war der Rettungsring. Ein Jahr später schrieb der Werkzeughersteller wieder schwarze Zahlen.

Gegenwind macht Flügel, singt Heinz Rudolf Kunze. Jede Krise ist eine Chance, denn sie wirkt wie eine Lupe: Sie vergrößert Eigenschaften. Das gilt für Schwächen von Mitarbeitern – so wirkt der Fahrige, wenn es brennt, noch fahriger und der Träge noch träger. Aber das gilt auch für Stärken: In der Krise glänzen die Zupackenden, all diejenigen, die den Karren aus dem Dreck ziehen, statt den Dreck nur zu bejammern.

Nicht umsonst hat Helmut Schmidt seinen Ruf als Macher während der Hamburger Sturmflut 1962 begründet: Die Krise gab ihm als Innensenator die Chance, sich von den Zauderkönigen abzuheben, sich als Krisenmanager mit kühlem Kopf und zupackender Hand zu bewähren.

Es ist wie bei einem Hochspringer: Seine maximale Sprunghöhe erreicht er nur, wenn die Latte auf einer kritischen Höhe liegt. Dagegen würde eine mittlere Höhe auch nur mittlere Kräfte wachkitzeln. Je höher die Latte liegt, auch im Beruf, desto größer die Chance, dass Sie Ihr ganzes Potenzial entfalten. Krisen setzen Kräfte frei.

Wer ein Machertyp ist , kann sich in seiner Firma gezielt nach kritischen Situationen umsehen: Wo laufen Dinge aus dem Ruder? Wo bleibt ein Bereich hinter seinen Möglichkeiten zurück? Wo sind gute Ideen so selten wie Regen in der Sahelzone? Je schlechter es läuft, desto mehr Raum für Verbesserungen. Allerdings setzt diese Strategie voraus, dass Sie einen Chef haben, der auf Ihren Rat hört – wie der Angestellte des Werkzeugherstellers. Oder dass Sie eine Führungsposition bekleiden, um der Krise selbst die Stirn zu bieten – wie Helmut Schmidt.

Für hausgemachte Krisen in Konzernen gilt allerdings: Was im Topmanagement angerichtet wird, lässt sich nur im Topmanagement auslöffeln.