Nein, zu diesem Satz will der Leiter einer baugewerblichen Berufsschule nicht mit seinem Namen stehen. Auch wenn er die Wahrheit sagt, fürchtet er ihre Konsequenzen. Sein Satz lautet: "Jetzt nehmen sie dann wirklich jeden." Bereits letztes Jahr hatten alle Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsinstallateur-Lehrlinge an seiner Schule die Eintrittstests vermasselt: Sie mussten in Stützkursen elementares Dreisatz- und Prozentrechnen nachbüffeln, dazu Deutsch. Dieses Jahr nun droht es noch ärger zu werden, fürchtet der Schulleiter. Denn viele, allzu viele Lehrstellen waren auch vor den Sommerferien noch unbesetzt.

Die Monteurberufe haben ein Imageproblem: "Die Jugendlichen greifen zum Teil erst im letzten Moment auf sie zurück", sagt der Lehrer, "erst wenn sie wirklich kein anderes Angebot erhalten." Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs wiederum hat Konsequenzen auf den Baustellen. Dort wachsen mit der zunehmenden Elektronisierung der Haustechnik nicht nur die Anforderungen an die Handwerker, auch steigt mit dem Bauboom der Zeitdruck. "Die Baumängel nehmen eindeutig zu", sagt Monika Sommer, stellvertretende Direktorin des Schweizerischen Hauseigentümerverbands.

Kurz: Es mangelt an gutem Personal, es mangelt an gutem Nachwuchs – und inzwischen kann man die Folgen spüren. "Die in der Baubranche zunehmend feststellbaren Baumängel haben sehr wohl mit dem Mangel an Fachkräften zu tun", bestätigt Hans-Peter In-Arbon, Direktor des Verbands Schweizerischer Elektroinstallateure. Dieser Trend werde sich noch verstärken: "Tendenziell bleiben unter den Schulabgängern nur die schulisch Schwächeren für eine Handwerkerlehre übrig." Die Elektroinstallateure bieten traditionell die meisten handwerklichen Lehrstellen an – es sind rund 3.000 pro Jahr –, aber laut In-Arbon verspüren die Heizungs- und Lüftungsinstallateure sowie die Maler und Gipser den Nachwuchsmangel noch mehr.

Die Berufsschulen bemühen sich zwar, die Wissenslücken der Schulabgänger auszumerzen, doch hier folgt der zweite Teil des Problems: Sie bekunden mehr und mehr Mühe, gute Fachlehrer zu rekrutieren. Noch nie sei der Arbeitsmarkt hier so ausgedörrt gewesen, sagt Benjamin Mühlemann, Geschäftsleitungsmitglied beim Schweizerisch-Liechtensteinischen Verband für Gebäudetechnik Suissetec: "Häufig sind Gebäudetechnik-Experten in ihren eigenen Unternehmen so stark engagiert, dass sie kaum Zeit finden für so eine Nebenbeschäftigung."

Mangelware sind etwa Heizungsfachlehrer – denn selbstständige Ingenieure, die teils über 200 Franken pro Stunde für ihre Planungsarbeit verrechnen können, empfinden den Lehrerlohn als allzu bescheiden. Und auch ein Spengler oder Klimatechniker, der sich zum Meister weiterbildet, verdient als Angestellter mit einem Monatslohn von 8.000 bis 9.000 Franken ebenfalls besser. Hier zeichnet sich ein Teufelskreis ab: Weil gute Handwerker so rar sind, werden sie im Beruf so gut bezahlt – weshalb sie seltener bereit sind, die nächste Generation guter Handwerker auszubilden.

Mitte August ist wieder Lehrbeginn, aber derzeit gibt es laut dem Lehrstellennachweis der Kantone noch über 380 Nachwuchspositionen für künftige Elektroinstallateure zu besetzen. Danach folgen mit dem Sanitärinstallateur, dem Polybauer (Fassadenbau) und dem Spengler drei weitere Haustechnikberufe mit insgesamt 650 offenen Ausbildungsplätzen. Die Zahl der Lehrstellen ist dieses Jahr dank guter Wirtschaftslage nochmals stark gewachsen – und damit ebenso das Überangebot in einigen Branchen, insbesondere auf dem Bau, aber auch in der Industrie, in der Holz- und Metallverarbeitung. Erstmals hat auch der Verkauf Mühe, geeignete Lehrlinge zu finden. In einer Umfrage des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie bekundeten über zwei Drittel der Arbeitgeber, "nur ungeeignete Bewerbungen" erhalten zu haben.