Das Publikum der Hofer Filmtage 1980 buhte ihn aus: Berlin Chamissoplatz (Kinowelt), Rudolf Thomes eigentümlichen Liebesfilm über den Architekten Martin und die Studentin Anna, die bei einem Sanierungsprojekt aufeinandertreffen. Nun gut, der Konflikt zwischen den Anwohnern und den Baulöwen des Senats geht in der Romanze unter. Aber wie konnte man nur die Poesie dieser Bilder übersehen, ihr traumverlorenes Licht und die Geschichten auf den Gesichtern der Liebenden? Glücklich streifen sie durch ein Kreuzberg, wie es war – so präsent, trunken, verrückt und vernarrt wie Hanns Zischlers Martin und so bezaubernd, chaotisch und in sich ruhend wie Sabine Bachs Anna.

Man sieht das Unsichtbare: ein Verlieben. Momente des Fremdelns auch, wenn der andere das vorgefertigte Bild von ihm enttäuscht. Gefolgt vom neuerlichen, eruptiven Bekenntnis zueinander. Am Ende hat die Liebe sich gefestigt, nicht aber der marode Chamissoplatz, dessen sanierte Zukunft Anna abfällig voraussagt: als Kulisse für »saubere Menschen, die in Schöner Wohnen-Wohnungen fleißig konsumieren«. Ein leiser, ehrlicher, großer Film.