Über den Cowboy heißt es so schön, dass er in seinen Satteltaschen die amerikanischen Mythen trage. Aber was, wenn die Satteltaschen völlig leer sind? Wenn die Pferde vor den Männern krepieren und sich der Westerner mit zerschundenen Füßen durch die Wildnis schlägt. Wenn die amerikanische Landschaft nur mehr ein von Spuren durchzogener Abrechnungsraum ist. Und die Sonne ein weiß glühender Feuerball, der auf eine Handvoll Menschen niederbrennt. So jedenfalls schaut es in den Western des New-Hollywood-Regisseurs Monte Hellman aus. Wie seine Kollegen Arthur Penn, Francis Ford Coppola oder Dennis Hopper knüpfte er sich in den sechziger und siebziger Jahren die amerikanischen Genres vor, um ihnen die Romantik, das Abenteuer und den Heroismus auszutreiben. Und den Trost sowieso.

Mit minimalem Budget, kleinem Team und einem Jack Nicholson, der gerade dabei war, er selbst zu werden, brach Hellman Mitte der sechziger Jahre nach Utah auf, um zwei radikale Western zu drehen. So ausgedörrt und unwirtlich hatte die mythisch aufgeladene Landschaft mit ihren rötlichen Felsformationen noch nie auf der Leinwand ausgesehen. Bei Hellman liefert sie den Hintergrund für kafkaeske Versuchsanordnungen und existenzialistische Duelle. Ride in the Whirlwind und The Shooting (Monte Hellman: 2 DVD Western-Edition, erschienen bei Pierrot Le Fou) sind zwei Todestrips, in denen sich die Frage nach dem Überleben längst erledigt hat. Im vollen Bewusstsein reiten beziehungsweise stiefeln die Männer und Frauen dieser Filme dem Abgrund entgegen. In Ride in the Whirlwind werden zwei Cowboys eines Postkutschenüberfalls beschuldigt, den sie nicht begangen haben, und von selbst ernannten Gesetzeshütern gejagt. Auch wenn die Schlucht, in die sich die Männer geflüchtet haben, eine Sackgasse ist, klettern sie immer höher, rutschen ab, entkommen dem einen Kugelhagel, um sich im nächsten wiederzufinden. Verschnaufpausen hinter Büschen und unter Felsvorsprüngen. Die Sonne geht auf und wieder unter. Knistern im Unterholz, erneute Schusswechsel. Und zwischendurch Jack Nicholsons verzweifeltes Gesicht in Großaufnahme. Es ist die Todesangst, eine existenzielle Angst überhaupt, die Menschen und auch Dinge hier wieder auf sich selbst zurückwirft.

Nimmt die Kamera in Ride in the Whirlwind den Horizont noch in weiter Ferne wahr, bekommt man es in The Shooting mit einer fragmentierten Landschaft zu tun, die sich nicht mehr zu einem Ganzen zusammensetzen lassen will. Auch die seltsam atonale Musik verweigert den dramaturgischen Rahmen. Konsequent erzählt dieser Western davon, dass die Zeit der großen Erzählungen vorbei ist. Nicht einmal den Namen der jungen Frau, die einige Männer in einen Plan mit fatalem Ausgang verwickeln wird, erfährt man. Hellmans Figuren kommen aus dem Nichts und verschwinden wieder im Nichts. Und inmitten des Staubes, den sie bei ihrem Ritt durch die Wüste aufwirbeln, werfen sie ganz nebenbei die großen metaphysischen Fragen auf.