Was für ein Tag. Erst wurde alles gut. Mit den USA. Mit den Börsen. Mit meinem Geld. Ehrlich gesagt, war ich ziemlich erleichtert, als Präsident Barack Obama am Wochenende einen Kompromiss im Schuldenstreit in Aussicht stellte. Die Vereinigten Staaten dürften also aller Wahrscheinlichkeit nach vorerst nicht insolvent werden. Aus Faulheit und auch, weil ich ein wenig auf genau diesen Ausgang hoffte, hatte ich mich nicht von meinen Aktien und Zertifikaten auf den Dax getrennt. Glück gehabt, der Absturz blieb aus , stattdessen ging es erst einmal leicht nach oben.

Aber um welchen Preis? In den USA bleibt alles wie gehabt. Man macht zunächst mehr Schulden und vertagt die Lösung der eigentlichen Probleme auf einen politisch angenehmeren Zeitpunkt: auf später. Und weil Steuererhöhungen praktisch nicht durchsetzbar sind, die sozial Schwachen sich aber gegen Kürzungen kaum wehren können, wird was geschehen? Genau! Das Handelsblatt hat zwei sehr aufschlussreiche Kurven gegeneinandergestellt : Staatsschulden und Unternehmensgewinne.

Beide haben Rekordniveau erreicht, und auf verschlungenen Wegen helfen die miesen öffentlichen Finanzen den Firmen auch noch zusätzlich: Rote Zahlen im Staatsetat schwächen den Dollar, der niedrige Kurs stützt die Exporte; dazu sind auch die krisenbedingt geringen Zinsen gut für die Aktionäre. Von den niedrigen Steuern für die Superreichen gar nicht zu reden. Botschaft: Je schlechter es dem Staat geht, desto besser für die Unternehmen.

Na ja, ganz so überzeugend war diese Logik dann doch nicht. Schon bald nach der Erholung brachen die Kurse ein. Irgendwie glauben die Märkte nicht, dass Obama & Co das grundsätzliche Übel beseitigen können. Na ja, ich hatte ja eigentlich auch so meine Zweifel, wenn ich ehrlich bin. Aber aufraffen konnte ich mich nicht. Pech gehabt. Selber schuld.

Auch vertagte Probleme müssen gelöst werden, warum nicht heute? Einer meiner Kollegen hat mit Optionsscheinen übrigens auf den Einbruch spekuliert. Ich werde ihn fragen, wie viel er gewonnen hat.