Legen Hacker dann los, geht es im harmlosesten Fall so aus wie beim Opel Zafira der Familie Auhäusl. Da entgehen dem Hersteller 1.000 Euro, weil er einen cleveren Kunden hat, der den Aufpreis für die Luxusversion nicht zahlen wollte.Ernst wird die Sache, wenn private Daten gestohlen und Konten geplündert werden: Die Firma Sony hat sich noch lange nicht von der Großattacke unbekannter Eindringlinge auf das Computernetzwerk hinter ihren PlayStation-Spielkonsolen erholt. Zu Jahresbeginn waren persönliche Daten von Millionen Playstation-Nutzern einschließlich ihrer Kreditkarteninformationen abhandengekommen. Ein Coup, der gelang, weil Sony-Spielkonsolen heute, anders als ihre Vorgängermodelle, standardmäßig mit dem Internet verbunden sind, weil man im Netzwerk mit anderen Leuten spielt und bei Sony per Kreditkarte Dienstleistungen einkauft. Spielkonsolen sind Teil des rasant wachsenden Internets der Dinge. Nachdem der Hack gelungen war, blieben viele Funktionen der Geräte wochenlang unbenutzbar: So lange musste Sony sein Spielenetzwerk abschalten.

Kann denn eines Tages mit Autos auf deutschen Straßen dasselbe passieren wie mit den Sony-Heimspielgeräten?

Die Antwort kennt ein Mann in München. Er macht kein großes Aufhebens von sich, kommt in einem Technologiezentrum selbst zum Empfang und geht dann leise voran in einen kahlen Konferenzraum.

Autos erwartet das gleiche Schicksal wie Spielekonsolen

Marko Wolf war nie ein Hacker, und doch ist er unbestritten einer der größten Experten für die Softwaresicherheit in Autos. In Deutschland. In Europa. Die Firma Escrypt, für die er arbeitet, berät alle führenden Hersteller. Keine zwei Kilometer liegen die Münchner Büros von der BMW-Zentrale entfernt.

Wolf erzählt erst mal, wie das Geschäft läuft: "Wir verpflichten uns zu Geheimhaltung. Wir dürfen keine Unterlagen der Kunden auf dem Tisch liegen lassen. Und wenn wir kritische Dateien bekommen, benutzen wir eigens dafür eingerichtete Computer." Natürlich sind die Festplatten verschlüsselt. In ihrer Bochumer Zentrale hat die Firma sogar abhörsichere Räume mit biometrischen Zugangskontrollen.

Werden, Herr Wolf, deutsche Autos bald reihenweise gehackt? Antwort: Werden sie ja schon. Vor allem treffe es den zentralen Diebstahlschutz, die "Wegfahrsperre". Heute ist das nichts anderes als ein Sicherheitswall aus einem Krypto-Computerchip und einer Software in der Motorsteuerung. "Die professionellen Autohacker kommen vor allem aus Osteuropa", sagt Wolf. In der Branche heißt es, diese Banden seien wie richtige Firmen organisiert, sie würden Ingenieure anheuern, die dann die Chips von Wegfahrsperren auseinandernehmen und die Verschlüsselung der Daten knacken – oder einen technischen Kniff finden, um die Wegfahrsperre ganz zu umgehen.

Wolfs zweite Antwort lautet: Für die anderen Hacker, die nicht so professionell bis mafiös an die Sache herangehen, seien Autos einfach zu teuer, sie kämen einfach nicht oft genug ran. Studenten und Scriptkiddies also, die sich im Internet gerade unbeliebt machen.

Autos sollen miteinander kommunizieren

Aber die Situation wird sich ändern. In fünf, spätestens in zehn Jahren sollen alle Autos miteinander kommunizieren. Sie werden dann zu echten Dauerdatenschleudern. "Achtung, da ist ein Stau hinter der Kurve", "zwei Straßen weiter rechts ist ein Parkplatz frei", "die Ampel an der Hardenbergstraße ist kaputt", "Mannomann, ist das Wetter in Garmisch wieder schlecht".

Die Gefahr ist offensichtlich: eine Manipulation von Verkehrsdaten, die Unfälle auslöst.

Wolf soll mit dafür sorgen, dass die Autos nicht von einem Hacker zu knacken sind, der sich mit seinem Laptop an die Straße stellt, mit einer Software so tut, als sei er ein Auto – um dann Viren einzuschleusen, die Autos von innen zerstören, Menschen verletzen und Herstellerfirmen ruinieren.

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Der Berater nimmt eine unscheinbare zweischichtige Platine aus einem Regal. Die haben sie bei Escrypt selbst gelötet. "Das sind Krypto-Chips", sagt er. Es sind Prototypen, nicht größer als ein Bierdeckel, die den Datenverkehr zwischen Autos verschlüsseln sollen. "Wenn diese Technik ausgereift ist, wird sie kleiner als ein Fingernagel sein und in der Motorsteuerung stecken", sagt Wolf.

Er fügt aber hinzu: "Wir bieten keine absolute Sicherheit. Die gibt es nicht. Uns geht es um ökonomische Sicherheit." Die Kosten für die Hacker, eine Sicherheitshürde zu überwinden, sollen gerade so hoch sein, dass es sich eigentlich nicht lohnt – und so niedrig, dass es der Kunde noch zahlt.