Sein Krankenhaus lag in einer Bürgerkriegsregion, die Gegend war nicht gerade bekannt für verlockende Kulturveranstaltungen – und mehr Geld als in der Hauptstadt gab es auch nicht. Und doch hatte der Direktor Bruno Corrado fast 20 Jahre lang keine Probleme, Ärzte und Krankenschwestern für seine Klinik zu gewinnen. Der umtriebige Mann hatte einen Zaun um das Gelände ziehen lassen, stellte dort seinem Personal Unterkünfte und sogar einen Swimmingpool. Die Ärzte wurden animiert zu forschen. Sie publizierten in angesehenen internationalen Journalen, bildeten sich im Ausland weiter – und kehrten frisch motiviert zurück. Das Beispiel des St. Mary’s Hospital im Norden Ugandas zeigt, dass man mit Einfallsreichtum und Offenheit medizinisches Personal sogar am ungastlichsten Ort halten kann.

So viel Buhlen um Ärzte war hierzulande lange Zeit unbekannt. Doch inzwischen heißt es: lernen von Uganda. Denn ganze Landstriche im Osten – aber auch im Westen Deutschlands – sind ärztlich verwaist . Inzwischen wird die Spezies Landarzt umhegt: Die Praxis gibt es umsonst, ein günstiges Darlehen für das Wohnhaus sowieso. Oder wie wäre es mit freier Hausmannskost? Geschäftsleute im Ort Lette im Münsterland locken prospektive Doktoren mit kostenlosem Mittagessen, Fleisch und Brötchen. Doch ist es das, was junge Ärzte wirklich wollen?

Die Bundesregierung hat am Mittwoch Zuckerbrot und Peitsche ausgepackt. Vorgelegt wurde der Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen, um die Überversorgung in städtischen Gebieten zu bremsen und Ärzte in medizinisch unterversorgtes Gebiet zu locken : Familienfreundlichkeit lautet die Devise. Ärztinnen dürften sich künftig zwölf statt sechs Monate nach einer Entbindung vertreten lassen. Außerdem soll es mehr Geld geben für die Landärzte und weniger Bürokratie. Studenten dürfen sich auf Stipendien freuen, wenn sie sich eine Zeit lang für den Einsatz in strukturschwachen Gebieten verpflichten. Gleichzeitig werden die Kassenarztsitze (also die verfügbaren Stellen) in den Städten verknappt.

Das ist ein guter Anfang. Aber er ändert noch nichts am Drumherum. Der demografische Wandel verändert in strukturschwachen Regionen die Städte. Ein frischgebackener Arzt muss sich fragen: Ziehe ich mit meiner jungen Familie in ein alterndes Dorf, das in 20 Jahren womöglich gar nicht mehr existiert? Was ist mit den Kindern? Gibt es in einer Region der Alten in erreichbarer Nähe eine gute Schule? Und Kultur?

In Uganda hat das St. Mary’s Hospital es geschafft, das richtige Mikroklima für sein medizinisches Personal zu schaffen. Der Direktor hatte sich intensiv nach den Wünschen der Mitarbeiter erkundigt – und sie berücksichtigt. Das Rezept ließe sich übertragen. Ob hingegen die Zückerchen der Bundesregierung reichen und die Peitsche den gewünschten Effekt hat, bleibt fraglich. Gesetze ersetzen keine Motivation.