Udo Reiter, Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, wird bald sein Amt niederlegen. Nach mehr als 20 Jahren. Vorzeitig, auf eigenen Wunsch und vielleicht gerade noch rechtzeitig. Der hauseigene Schlagerbarde Achim Mentzel könnte ihm zum Ausstand ein Ständchen von seinem Album Wir sind alle keine Engel bringen. Da singt er: "Die kleinen Teufel sind oft stärker, dann heißt es wieder Risiko, wir spielen gern mal mit dem Feuer, auch wenn man sich daran verbrennt." Es wäre die passende Hymne für einen großen Abgang.

Reiter hätte allen Grund, seinen Abschied zu feiern: Kein anderer Intendant aus der ARD-Riege kann auf eine so lange Amtszeit mit so vielen überlebten Skandalen zurückblicken. Andererseits muss wahrscheinlich auch er gewisse Schamesgrenzen einhalten. Und der MDR wird aller Voraussicht nach bis Ende des Jahres noch gut mit der Aufklärung der jüngsten Affären zu tun haben. Für die ZEIT war Reiter nicht zu sprechen.

Nachdem der bislang größte Betrüger einer Fernsehanstalt, der Herstellungsleiter des Kinderkanals (Kika), für mehr als acht Millionen unterschlagene Euro gerade zu einer Haftstrafe verurteilt worden war und der MDR sich als verantwortlicher Sender von seinem Verwaltungsdirektor getrennt hatte, musste schon der nächste Sündenfall öffentlich gemacht werden: Udo Foht, Unterhaltungschef und Entdecker von Schlagergrößen wie Florian Silbereisen, ist in ein undurchsichtiges Konstrukt aus Krediten verstrickt. Nur so viel scheint festzustehen: Foht hat auf MDR-Briefpapier Geld für private Zwecke erbettelt, in einigen Fällen soll dies mit Hinweis auf Produktionskosten für seine Sendungen geschehen sein.

In einem Fall rief er an. So erinnert sich sein früherer Weggefährte Philipp Welte. Dieser ist inzwischen Vorstand beim Burda-Verlag und lieh Foht nach einem Bittanruf 30.000 Euro aus seinem privaten Vermögen. Seit mehr als 20 Jahren kennen sich die beiden, und die berufliche Beziehung riss nie ganz ab, weil der MDR die jährliche Bambi-Gala des Burda-Verlags für die ARD überträgt. Die Bambi-Verträge, heißt es bei Burda, wurden nie mit dem Unterhaltungschef, sondern immer direkt mit MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze ausgehandelt.

Welte schildert die Sache so: Er kenne Foht aus den Pioniertagen des MDR, damals arbeitete Welte als Pressesprecher und traf dort auf den großen Unterhaltungsmann des DDR-Fernsehens. Welte sagt auch, er habe einem Menschen geholfen, dem er vertraut habe und den er in Not sah. Foht habe ihm eine dramatische Geschichte aufgetischt. "Ich habe ihm vertraut und aus unserer Familienkasse Geld geliehen. Danach war über ein Jahr Schweigen – und plötzlich war das Geld wieder da."

In der Welt stand, Foht habe geliehene Gelder an eine Firma namens Just for Fun geleitet. Bild berichtet von einem neuen Fall, in dem es um mehr als 100.000 Euro geht, und über Spekulationen von Freunden und Mitarbeitern: ob Foht wohl mit seiner Stasivergangenheit erpresst worden sei? Auf alle Fälle ist im Skandalstadl MDR noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Dem Sender und damit dem Gebührenzahler ist nach bisherigem Kenntnisstand in diesem Fall kein finanzieller Schaden entstanden, aber ob es dabei bleibt, lässt sich erst sagen, wenn er annähernd aufgeklärt ist. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. Foht war nicht zu erreichen.

Wieder der MDR. Die Archive sind voll von wenig schmeichelhaften Geschichten über den Sender. Zehn Jahre nach der Gründung sorgten alte Stasifälle allgemein und Udo Foht im Besonderen für Aufsehen. In einem Rechtsstreit mit dem Focus unterlag Foht damals – man durfte weiter schreiben, dass die Staatssicherheit ihn als IM Karsten Weiß geführt hatte. Reiter stellte sich demonstrativ vor seinen Mann.