"Hätte ja nicht gedacht, dass Klinsis Reformen in den USA so schnell greifen würden!" So möchte man spontan glauben. Doch wir wollen nicht übertreiben. Dass sich Jürgen Klinsmann am Montag als neuer US-Bundestrainer verpflichten ließ, hat gewiss nicht allein zur Lösung des US-Haushaltsproblems geführt. Vielleicht führt es am Ende sogar zu überhaupt nichts. Aber ganz ist nicht auszuschließen, dass mit dem Jürgen Bewegung in den amerikanischen Kongress kam. Mit dem Gedanken an Fußball geht vieles leichter, ohne ihn, das haben die vergangenen Wochen grausam gezeigt, ist das Leben sehr viel grauer. Bundesliga ist nicht alles – aber alles ist wenig ohne Bundesliga.

Wochenenden haben wieder Sinn, Nachmittage, Abende. Neuer in München, geht das gut? Schalke ohne Neuer, geht das bloß irgendwie gut? Viererkette oder Raute? Hat Podolski in Köln noch Lust? Lauter fröhliche Fragen. Ist Magath der erste Trainer der neuen Saison, dem VW in Wolfsburg den Stuhl vor die Tür setzt? Weil der Mann zu alt ist und die wirklich hungrigen Trainer seit der vergangenen Saison auffällig jung sind? Thomas Tuchel, 37, Fußballlehrer bei Mainz 05, ist so jemand. Ein kommender Mann, der als Enkel von Jupp Heynckes, 66, Bayern München, durchgehen könnte.

Knapp 138 Millionen Euro haben die 18 Bundesligisten in neue Spieler investiert, allein die Bayern haben gut 44 Millionen Euro dazu beigetragen. Gemessen an den Milliarden, die Staaten und Banken in den letzten Wochen verbrauchten, ist das nicht viel. Doch sollte es reichen, damit die Bayern am Ende wieder mit Dortmund um die Meisterschaft spielen.

Oder kommt alles ganz anders? Haben sich all die Auguren und Experten wieder geirrt, wie schon tausendmal zuvor? Die Euro-Krise? Schlimm genug! Was aber ist diese gegen eine Formkrise? Zum Beispiel gegen die eines Mannes namens Diego Ribas da Cunha? Diego, dieser brasilianische Fußballer, hat schon oft über gelungene und nicht gelungene Wochenenden entschieden. Früher in Bremen und dann auch ein paarmal in Wolfsburg. Doch nun gibt es Knatsch, Diego will nicht mehr mit Magath oder umgekehrt. Mario Basler, Exprofi und Fußballpoet, riet bereits: "Briefmarke auf den Po, Atlético!"

Was ist, wenn die Stürmer nicht mehr treffen? Wie zum Beispiel die von Bremen. Neue Spieler wären eine Alternative. Nur rückt Aufsichtsrat Willi Lemke das Geld für neue Kräfte nicht raus. Seine Begründung: Geld ist alle. Lemke ist ein Steher, seine Haltung verdient Respekt, auch wenn wir hier in Hamburg – genauer der HSV – mit Werder wenig am Hut haben. Wäre doch ein interessantes Experiment, mehr und mehr den eigenen Leuten eine Chance zu geben. Die Jungs schießen die Tore, und alle finden das plötzlich gut. Wie in Dortmund, wenn Marcel Schmelzer oder Mario Götze so erbaulich zur Sache kommen.

Es wird wieder gespielt. Zu Beginn empfängt Dortmund den HSV, der Meister spielt gegen ... ja, gegen wen? Die Hamburger haben alles richtig gemacht und die "Stars" gleich im Dutzend aussortiert. Die Antwort weiß nur der Ball.