DIE ZEIT: Herr Wöller, haben Sie die Unterlagen Ihrer Doktorarbeit schon aus dem Keller geholt?

Roland Wöller: Nein, ich bin ja am Montag erst aus dem Urlaub zurückgekehrt. Aber wenn Sie schon so fragen: Ich werde mir meine Arbeit noch mal im Einzelnen zu Gemüte führen.

ZEIT: Vorige Woche wurde bekannt, dass Ihnen die TU Dresden bezüglich Ihrer Doktorarbeit im Jahr 2008 wissenschaftliches Fehlverhalten bescheinigt hat. Der Verfasser einer Magisterarbeit, aus der Sie in Ihrer Dissertation ausführlich zitieren, hatte sich bei der Universität beschwert.

Wöller: Den Inhalt der Beschwerde kenne ich nicht im Einzelnen. Der Promotionsausschuss hat diese Vorwürfe überprüft und festgestellt, dass mir, ich zitiere, "kein Täuschungs- vorwurf im akademischen Sinne zu machen und auch kein Urheberrechtsverstoß" vorzuwerfen sei. Das ist für mich ganz deutlich.

ZEIT: Und Ihr Fehlverhalten? In einem Brief der TU Dresden an Sie ist die Rede von einer "bedenklichen Menge" an Übereinstimmungen zwischen der Magisterarbeit und Ihrer Dissertation.

Wöller: Als ich diesen Brief las, war ich sehr zerknirscht und getroffen, weil mir tatsächlich Fehler unterlaufen sind. Ich habe die Herkunft einiger Stellen in meiner Arbeit nicht hinreichend mit Fußnoten deutlich gemacht. Dafür bin ich zu Recht gerügt worden. Diese Rüge ist für mich keine Kleinigkeit.

ZEIT: Was lernen Sie daraus?

Wöller: Dass es den Anspruch auf Fehlerfreiheit nicht geben kann. Ein Anspruch, den ich selbst auch nie erhoben habe.

ZEIT: Anders gesagt, die Folge ist: Knicken, lochen, abheften?

Wöller: Die Konsequenz ist klar: Mir ist aufgetragen worden, bei einer zweiten Auflage der Dissertation entsprechende Nacharbeiten anzufertigen.

ZEIT: Planen Sie denn eine?

Wöller: Nein. Bisher nicht.

ZEIT: Während Sie Ihre Doktorarbeit geschrieben haben, waren Sie unter anderem Abgeordneter im Sächsischen Landtag und CDU-Kreisvorsitzender. Innerhalb von nur drei Jahren haben Sie nebenbei promoviert. War das nicht ein bisschen eilig?

Wöller: Das halte ich nicht für herausragend schnell, viele andere haben durchaus weniger Zeit gebraucht. Für mich war diese Zeit sehr arbeitsintensiv. Als ich 1999 den Landesvorsitz der Jungen Union – ein sehr aufreibendes Amt – abgab, habe ich zusätzlichen Spielraum gewonnen. An der Dissertation habe ich abends und an den Wochenenden sowie im Urlaub gesessen. Im Sommer 2000 etwa war ich wochenlang im Bundesarchiv zum Studium der Quellen, die sich für mich zum Teil wie ein Roman gelesen haben – und das Thema Wiedervereinigung hat mich brennend interessiert. Das alles hat mich aber auch viel Kraft und Schweiß gekostet.

ZEIT: Hätten Sie die Arbeit nicht nebenher geschrieben, wären Ihnen die gerügten Fehler vielleicht nicht unterlaufen?

Wöller: Ich habe diese Fehler gemacht, der Rest ist Spekulation.

ZEIT: Der Autor der genannten Magisterarbeit beklagt, Sie hätten Ihre Karriere auch auf eineinhalb Jahren harter Arbeit von ihm aufgebaut. Wie empfinden Sie diesen Vorwurf?

Wöller: Diesen Vorwurf nehme ich ernst, aber die TU Dresden hat ihn geprüft. Und an das Ergebnis halte ich mich.