Es gab Zeiten, da war Fußball eine modefreie Zone. Die Spieler gaben ihr Stilbewusstsein mit dem Trikot ab. Die Trainer trugen zwar keine Trikots, dafür aber Trainingsanzüge, in denen sie wie Sozialfälle aussahen. Oder sie liefen immer mit demselben Pullover am Spielfeldrand auf – und behaupteten, es sei ihr "Glückspullover". Fußball schien der letzte gesellschaftliche Bereich zu sein, in dem man propagieren konnte, nur ein einziges Kleidungsstück zu besitzen.

Das änderte sich spätestens, als Victoria Beckham begann, ihren Gatten David Beckham auszustaffieren. Victoria Beckham, die mittlerweile eine geachtete Designerin ist, posierte damals auch noch als Unterwäsche-Model für Emporio Armani, und plötzlich war Fußball etwas, was mit der großen Mode zu tun hatte.

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In Deutschland wurde Fußballmode ein Thema, als die WM 2006 ins Land kam. Die Nördlinger Marke Strenesse stattete das Nationalteam mit Business-Outfits und Freizeitkleidung aus, die abseits des Felds getragen werden konnten. Der Mann, der damit sofort auffiel, war der Bundestrainer. Der hatte plötzlich so unglaublich gut geschnittene Hemden an und konnte als modisches Vorbild der Nation durchgehen. Ein Bundestrainer, der aussieht wie ein Dressman – das hatte es noch nie gegeben.

Heute bleibt als letzte Bastion der Modezottel nur noch die Fankurve. Als Fan darf man noch jede Woche mit derselben Jacke aufkreuzen, demselben müffelnden Polyesterschal und seltsamen Nylonperücken in Vereinsfarben. Doch auch das dürfte bald Vergangenheit sein. Seitdem die Stadien Arenen heißen und nicht mehr nur das Proletariat, sondern auch das obere Bürgertum anziehen, wandelt sich die Fankultur.

Im Fanshop des FC Bayern gibt es nun schöne FCB-Polos im Preppy-Style zu kaufen. Dazu stellt der bayerische Hersteller Thomas Sabo den passenden Silberschmuck bereit. Und im Angebot des Hamburger Kiezvereins FC St. Pauli wird es noch feiner: Der Anzugschneider Herr von Eden bietet dort eine St.-Pauli-Kollektion an. Auch im Fußball kann man also der Mode kaum mehr entkommen. Es sei denn, man hält sich an Jogi Löw. Der machte 2006 nicht nur das Strenesse-Hemd, sondern auch einen blauen Strenesse-Pullover berühmt. Weil er jeden Abend den gleichen trug.