Wie wichtig es ist, dass der Verfassungsschutz eine solche Szene beobachtet und durchdringt, sieht man an den Islamisten. 2007 durchleuchteten neben Polizisten auch Verfassungsschützer die "Sauerland-Gruppe", lange bevor sie einen Anschlag begehen konnte . Im Frühjahr dieses Jahres hatten die Dienste wohl großen Anteil daran, dass in Düsseldorf eine ähnliche Zelle frühzeitig aufflog. Sicherheitsbeamte nennen die Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten im Berliner Terrorismusabwehrzentrum GTAZ und im gemeinsamen Internetzentrum GIZ entscheidend für solche Erfolge im Anti-Terror-Kampf.

Im Fokus der Verfassungsschützer steht seit einiger Zeit auch der Salafismus, eine ultraorthodoxe Spielart des Islam. Der 21-jährige Islamist Arid U., der Anfang März zwei US-Soldaten auf dem Frankfurter Flughafen erschoss , wurde offensichtlich auch durch derartiges Gedankengut radikalisiert. Die deutschen Vertreter der Salafisten-Szene aber rufen so gut wie nie offen zur Gewalt auf.

Im Moment lässt sich nur schwer abschätzen, ob aus dem ersten antimuslimischen Terroranschlag eine neue Bedrohung erwächst . Erste Anzeichen dafür sehen die Verfassungsschützer schon selbst. Im Jahresbericht 2010 warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz vor "Kooperationsbestrebungen von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten auf europäischer Ebene". Der bayerische Landesamts-Chef Burkhard Körner sprach diese Woche von einer "möglicherweise neuen Form des Extremismus", der sich gegen Muslime und die Religionsfreiheit wende. Und Alexander Eisvogel, Vizepräsident des Bundesamtes, sagte dem Spiegel , die Taten und Schriften von Anders Breivik seien eine "Blaupause für Nachahmer". Liefert der norwegische Attentäter mit seiner brisanten Mischung aus einer Tat, die wie ein Fanal wirkt, und der genauen Anleitung dazu in seinem "Manifest" den Zündfunken für die Szene?

Die Nachrichtendienstler schauen deshalb jetzt wieder genauer hin: Welche Kommentare werden in Reaktion auf Norwegen geschrieben? Gibt es Impulse zu einer Radikalisierung? Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses, sagt es so: "Um eine Gefahr abwehren zu können, muss ich zunächst wissen, ob es sie gibt."