Noch ist es nicht verboten, im Central Park Kekse zu essen. Aber die Stadtregierung tut, was sie kann, um es einem zu verleiden. Cafés und Restaurants sind schon seit drei Jahren dazu verpflichtet, neben den Preis auch die Kalorienzahl ihrer Produkte zu schreiben. Ein Brownie 410 Kalorien, ein Caramel Frappuccino 390, ein vegetarisches Sandwich 350, ein Cappuccino 120. Selbst die kleinen Eiswagen im Park müssen Schuldgefühle verkaufen.

Das ist nur eines der Gesetze, mit denen Bürgermeister Michael Bloomberg die Stadt überzieht. Rudolph Guiliani hat die Kriminalitätsrate drastisch gesenkt, sein Nachfolger will die Stadt gesünder und grüner machen. Schön, aber muss er das so paternalistisch, ja autoritär tun? Die große, einst wilde Stadt, Symbol für Unbändigkeit, bekommt etwas Kleinliches.

Bloombergs jüngste Vorschrift: Seit dem 23. Mai darf auch in öffentlichen Parks nicht mehr geraucht werden. Im Stehen auf der Straße: Das ist noch erlaubt. Eine Plakatkampagne der Stadtregierung geht weiter: "Quit smoking today!" heißt der Slogan des Smoke Free Air Act . Geschickt ist das Wort "frei" in den Namen des Gesetzes integriert, das doch verbietet . Es ist freilich nur "frei" im Sinne von "bereinigt", und selbst wenn es Selbstbefreiung von einer unfrei machenden Sucht suggerieren sollte, ist es nur eine negative Freiheit von etwas, keine positive Freiheit zu etwas.

Schon länger ist es verboten, Alkohol auf der Straße zu trinken, Verstöße werden scharf verfolgt. Auf einer Vernissage mit einem Weinglas vor die Tür einer Galerie zu treten, um einem Raucher Gesellschaft zu leisten – das ist riskant: Sobald ein Polizist um die Ecke kommt, sollte man besser seinen Wein wegkippen.

Warum machen die New Yorker das alles weitgehend klaglos mit? Warum wählten sie Bloomberg 2009 ein drittes Mal, nachdem er zu diesem Zweck die Wahlstatuten verändert hatte?

Vielleicht sind sie etwas eingelullt durch ein anderes Regelwerk in den USA: von all den Warnungen, mit denen sich Menschen und Konzerne vor übertriebenen Entschädigungsklagen schützen wollen. Der Tag beginnt mit der Warnung vor heißem Kaffee: Verbrennungsgefahr! Mittags liest man, Dosenränder seien scharf, und man könne sich an einer Schüssel verbrennen, die man aus der Mikrowelle hole. Im Fitnessstudio ist plakatiert: Bei Hitze das Training einschränken, um nicht in Ohnmacht zu fallen! Am Abend auf der Sushi-Karte verweist ein Sternchen auf die Fußnote, dass der Verzehr von rohem Fisch gefährlich sein kann: Gefahr von Lebensmittelvergiftung.

Was ist unangenehmer? Die ständige Konfrontation mit möglichen Schmerzen, Leiden, Unglück, Gefahren aller Art oder das Gefühl, für dumm und beschränkt selbstverantwortlich gehalten zu werden?