Die Deutschen fürchten sich vor der nächsten Finanzkrise – obwohl sie noch mitten in einer drinstecken. Innerhalb der kommenden zehn Jahre, so glauben drei Viertel der Bundesbürger, wird es erneut zu einer Wirtschafts- und Finanzkrise kommen. Damit stellen sie der Regierung ein vernichtendes Zeugnis aus. Nur jeder fünfte Deutsche glaubt, dass die bisherigen Anstrengungen und Regelungen der Politik reichen, um die nächste Krise zu verhindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Mehr Politik, mehr Regeln, mehr Engagement! Das wünschen sich die Deutschen von ihren Politikern, damit globale Probleme besser gelöst werden. Ob es um den Klimawandel , die Ausbeutung der Erde, die stärkere Regulierung der Finanzmärkte oder die Bekämpfung der Armut geht – bei all diesen Themen wollen sie, dass die Bundesregierung eine internationale "Vorreiterrolle" einnimmt. Wenn es nicht anders geht, halten sie sogar den politischen Alleingang für richtig.

Neun von zehn Befragten wollen beispielsweise ein energisches und notfalls sogar einsames Handeln beim Kampf gegen den Klimawandel. Acht von zehn Deutschen befürworten die Energiewende . Sie unterstützen also den Ausstieg Deutschland aus der Kernenergie, den Bundeskanzlerin Angela Merkel in den ersten Monaten dieses Jahres ohne Absprache mit anderen Regierungen durchsetzte. Von solchen Zustimmungsraten kann Merkel bei den meisten anderen Politikfeldern zurzeit allerdings nur träumen.

Sie könnte sie bekommen, wenn sie sich auch bei anderen Menschheitsfragen ähnlich stark engagierte – zumindest versprechen das die befragten Deutschen: 87 Prozent plädieren für verschärfte nationale Regelungen, um die Umwelt zu schonen. 82 Prozent wünschen sich eine schärfere Bankenaufsicht in Deutschland.

Auf einen Trend zum Nationalismus lassen die Zahlen aber nicht schließen. Immerhin wollen 61 Prozent, dass sich die Regierung eher um das Wohlergehen aller Menschen kümmert statt nur um das der Deutschen. Und 91 Prozent der befragten Bürger würden es bevorzugen, wenn die großen Sorgen der Menschheit durch verbindlichere internationale Regelungen gelöst würden.

Sie wollen eben nur nicht, dass ihre Volksvertreter die Hände in den Schoß legen und abwarten.