Der Tesla Roadster hat der Welt gezeigt, dass ein Elektroauto schnell sein kann. Er beschleunigt von 0 auf 100 in 3,7 Sekunden, ein Geschoss aus Karbon, dem sehnsüchtige Blicke kleiner Jungs und leicht verächtliche Blicke erwachsener Frauen folgen. Ist die Batterie nach 340 Kilometern leer, stöpselt man ihn an eine Haushaltssteckdose, dann wirkt er friedfertig wie ein Eierkocher.

Eine Angestellte des Hotels, vor dem er so steht, gibt zu bedenken, dass Windkraftanlagen auch nicht schön sind. Das kann man finden. Interessant ist, dass der Tesla zu Diskussionen über Energiefragen anregt, die man sonst gern verdrängt, wenn man in ein Auto steigt.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Seine Route jedenfalls sollte ein Tesla-Fahrer genau kennen – ein Tipp: In Ostdeutschland die Umleitungen bedenken.

Andererseits ist es ein Abenteuer, bei Sturzregen mit fast leerer Batterie durch den einsamsten aller einsamen Kiefernwälder Vorpommerns zu schleichen. Wenn man sich vor Hausmeistern nicht blamieren will, sollte man außerdem wissen, wie viel Ampere eine Steckdose hat, und vielleicht, was ein Ampere überhaupt ist (keine Selbstverständlichkeit unter ZEITmagazin -Redakteuren).

Dafür ist, wer 120.000 Euro in diesen Roadster investiert, ein Förderer der Elektromobilität und des amerikanischen Autopioniers Martin Eberhard, dessen Erfinderhirn den Roadster ersann. Das war ausgerechnet 2003, als in Kalifornien das Zero Emission Vehicle Mandate zurückgenommen wurde, ein Gesetz von 1990, das Autobauer zur Entwicklung von Elektroautos zwang. Die Industrie nahm das Gesetz auseinander, dem Elektroauto drohte dasselbe Schicksal wie der Pille für den Mann: keine Nachfrage, keine Forschung, keine Ideen. Aber Eberhard verstand, dass eine Wende in der Antriebstechnologie nicht gegen, sondern nur mit den Autoliebhabern dieser Welt zu machen wäre. Um mit dem Verbrennungsmotor zu konkurrieren, müsste der Elektromotor nicht genauso gut, sondern besser sein. Der Roadster gewann das Herz der Autofreunde, auch das von berühmten wie Brad Pitt (sowie das kühle Herz der Testfahrerin, die leider keine Möglichkeit fand, sich den Wagen unter den Nagel zu reißen).

Noch 900 Stück werden gebaut. Es war nur der Anfang des kühnen Plans, den Automarkt von oben zu revolutionieren. 2012 geht der Tesla Model S, eine Limousine, in Produktion, und auf ihn wird der Glanz des Roadsters abstrahlen.

Technische Daten

Motor: 3-Phasen-4-Pol-A/C-Induktivmotor
Leistung: 215 kW (288 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 3,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h
Energiespeicher: Prozessorgesteuerter Li-Ion-Batteriespeicher, 56 kWh Speicherkapazität
Basispreis: 119.500 Euro

Elisabeth Raether ist Autorin des ZEITmagazins.