DIE ZEIT: Herr Malsy, Sie bieten Improvisationstrainings für Unternehmen an. Was können Geschäftsleute von der Schauspielerei lernen?

Frederik Malsy: Firmen buchen unser Ensemble zum Beispiel, wenn sie im Unternehmen abstrakte Produkte oder neue Werte etablieren wollen. Wir improvisieren dann für die Mitarbeiter Geschichten, Lieder, Musicals oder auch ein Drama zum Beispiel über neue Krankenversicherungstarife oder zu Nachhaltigkeit. Dadurch ermöglichen wir den Geschäftsleuten einen kreativen Zugang zu abstrakten Themen und machen sie erlebbar.

DIE ZEIT: Wie lässt es sich über Nachhaltigkeit improvisieren?

Frederik Malsy: Zuerst fragen wir, was die Teilnehmer darunter verstehen, denn Nachhaltigkeit bedeutet für Versicherungsvertreter etwas anderes als für Mitarbeiter eines Chemiekonzerns. Dann fragen wir uns, welche Rolle die Nachhaltigkeit beispielsweise in einem Hollywood-Film oder in einem Kafka-Roman spielen würde. Dazu improvisieren wir dann eine Szene. Wir machen aber noch mehr: In Trainings vermitteln wir den Mitarbeitern Improvisationstechniken, die im Berufsleben nützlich sein können.

DIE ZEIT: Was für nützliche Techniken sind das?

Frederik Malsy: Improvisation bedeutet, Spontanes entstehen zu lassen und der Kreativität Raum zu geben. Man folgt dabei bestimmten Regeln, die den respektvollen Umgang miteinander fördern: Beim Improvisieren muss man aufeinander achten und auf das eingehen, was der andere sagt. Im Kurs lasse ich die Teilnehmer gemeinsam eine Geschichte erfinden, indem sie abwechselnd einzelne Wörter aneinanderfügen. Jeder leistet auf diese Weise einen Beitrag zur Erzählung. Das fördert Teamwork, Kreativität und Schlagfertigkeit, und all das ist auch im Job wichtig.

DIE ZEIT: Trauen sich alle, gleich mitzumachen? Es ist ja nicht jeder ein guter Schauspieler.

Frederik Malsy: Als Erstes versuche ich, in der Gruppe mit Spielen eine lockere Atmosphäre herzustellen. Ich übe mit den Teilnehmern, aufeinander zu reagieren. In einer Partnerübung stehen sie sich zum Beispiel gegenüber und nennen ihre Assoziationen zu Worten, die der andere gerade sagt. So trainieren wir gleichzeitig auch die Fähigkeit zum Multitasking . Oder ich lasse die Teilnehmer einen einminütigen Vortrag improvisieren, in dem sie drei vorgegebene Wörter einbauen müssen.