Kriege und Krisen – schon immer haben sie die Schuldenberge wachsen lassen. Für die westlichen Industrienationen ist die jetzige Schuldenkrise bereits die vierte seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Nicht zum ersten Mal steht die Welt also vor der Frage, wie sie aus dem Schuldenloch kommt. Im Prinzip gibt es vier Antworten.

Schuldenschnitt: Einer jüdischen Tradition zufolge sollen alle 49 Jahre alle Schulden gestrichen werden. Ein solches Jubeljahr – modern gesprochen: einen Serienbankrott – fordern Experten wie Daniel Steltner, Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, auch für die Weltwirtschaft. Die Staaten würden einen Teil der Schulden einfach nicht zurückzahlen – das Schuldenproblem wäre gelöst.

Aber nur auf den ersten Blick. Denn Staatspleiten und Schuldenschnitte, lange Zeit ein legitimes Mittel des Defizitabbaus, sind höchst gefährlich. Die Schulden sind nur eine Seite der Medaille. Ein Staat, der sich verschuldet, leiht sich Geld, bei seinen Bürgern, bei den heimischen Banken oder bei Bürgern und Banken aus dem Ausland. Jedem Euro an Verbindlichkeiten des Schuldners steht also ein Euro an Forderungen der Gläubiger gegenüber. Anders gesagt: Die Schulden des Staates sind das Vermögen der Privatleute.

Daraus folgt, dass automatisch Vermögen vernichtet wird, wenn die Schulden gestrichen werden und die Staatsanleihen ihren Wert verlieren. Die Hauptlast tragen also zunächst die Sparer und Vermögensbesitzer. Das wäre vielleicht noch nicht einmal schlimm, weil so die Vermögenden an den Kosten der Krise beteiligt werden.

Das globale Finanzsystem dürfte die massenhafte Entwertung von Vermögenstiteln allerdings nicht verkraften. Banken und Versicherungen würden kollabieren, bei den Investoren bräche Panik aus. Ein weltweiter Schuldenschnitt könnte eine Kernschmelze des Finanzsektors nach sich ziehen, die auch die reale Wirtschaft in die Depression stieße. Die träfe dann alle Bürger.

Eine mildere Form des Staatsbankrotts ist die sogenannte finanzielle Repression. Der Staat bedient zwar formell alle seine Schulden – aber er manipuliert die Konditionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise führten viele Länder gesetzlich vorgeschriebene Zinsobergrenzen ein. So wurden auch niedrig verzinste Staatsanleihen für Kapitalanleger attraktiv. Der Staat sparte Zinskosten, ohne einen Finanzschock auszulösen.