Mit diesem Urteil hatte kaum einer gerechnet. Dass der Bundesfinanzhof einem Steuerzahler erlauben würde, die Kosten für seine Berufsausbildung von der Steuer abzusetzen , galt als äußerst unwahrscheinlich. Immerhin steht ja im Gesetz, dass "Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine erstmalige Berufsausbildung und für ein Erststudium" nicht abgezogen werden dürfen. Ebenso wenig wie zum Beispiel Lebenshaltungskosten und Geldstrafen. All das unterliegt nach Paragraf 12 des Einkommensteuergesetzes einem Abzugsverbot.

Der Paragraf sei aber merkwürdig formuliert, fanden die Richter. Er stelle das Abzugsverbot unter den Vorbehalt, dass in einigen anderen Paragrafen "nichts anderes bestimmt ist". Tatsächlich steht aber in Paragraf 10 etwas anderes: nämlich dass Aufwendungen für die Berufsausbildung bis zu 4.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben teilweise abgesetzt werden können. Und es steht darin: Sonderausgaben seien es nur, soweit es nicht Werbungkosten seien. Daraus schlossen die Richter messerscharf, dass Ausbildungskosten eben doch Werbungskosten sein können.

Zwei Fälle hatten sie zu entscheiden: den eines Piloten, der 28.000 Euro Ausbildungskosten getragen hatte, und den einer Medizinstudentin, die ihr Studium in Ungarn finanziert hatte. In beiden Fällen waren die Ausgaben nach Ansicht der Richter konkret durch die spätere Berufstätigkeit veranlasst und dürfen über die Jahre mit den Einnahmen verrechnet werden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will das Abzugsverbot nun mit einer Gesetzesänderung gerichtsfest machen. Ob ihm das gelingt, ist zweifelhaft. Rückwirkend wird eine solche Änderung jedenfalls nicht gelten. Studenten sollten daher jetzt ihre Kosten in Steuererklärungen geltend machen, auch wenn sie sie noch nicht mit Einnahmen verrechnen können. Die Verluste führen in späteren Jahren zu niedrigeren Steuern. Bis Ende 2011 können Steuererklärungen für 2007 abgegeben werden, bei den Folgejahren ist noch Zeit. Am besten ist: Alles auf einmal erledigen!