"Haben Sie einen Führerschein?"

"Nein."

"Computerkenntnisse?"

"Nein."

"Haben Sie vielleicht mal eine Erste-Hilfe-Ausbildung gemacht?"

"Nein, auch nicht."

"Sind Sie Skiläufer? Bergsteiger? Fallschirmspringer?" Immer wieder schüttelte Florian den Kopf. "Na ja", sagte der Beamte und fragte dann, als letzte Hoffnung: "Haben Sie ein Sportabzeichen?"

"Ja", sagte Florian, "ich habe das Seepferdchen." Der Beamte schaute, lächelte und sagte: "Das ist ein bisschen wenig. Das tragen wir nicht ein."

Jetzt steht Florian vor dem letzten Büro dieses Testtages. Mit Schwung reißt der Offizier die Tür auf. "Grüße Sie. Wehrdienstberatungsoffizier aus Düsseldorf", stellt er sich vor. Er lobt Florian, als der sagt, er möchte gerne bei der Truppe zum Koch ausgebildet werden. "Ohne Mampf kein Kampf", scherzt der Offizier und wird dann ernst: "Sie haben einen Hauptschulabschluss. Im letzten Jahr haben wir ungefähr 37.000 Bewerber gehabt, und von diesen 37.000 Bewerbern hatten 70 Prozent einen Mittlere-Reife-Abschluss." Florian nickt. Es sieht schlecht aus.

Winter 2010. Florian sitzt auf einer Bank auf einem Spielplatz und raucht. Der Hauptschulabschluss ist schon über anderthalb Jahre her. Bei der Schreinerei ist Florian rausgeflogen. Weil er sich im Flur eine Zigarette angezündet habe, sagt er. Weil er nicht zu einem Praktikum erschienen sei, sagt der Schreinermeister. Florian raucht und hustet. Zum ersten Mal hat er heute diese schwarze Bomberjacke mit den großen weißen Buchstaben an. "Wuppertal Hardcore" steht darauf. Als "Hooliganstyle" werden Jacken wie diese im Internet angepriesen.

Warum trägt er so etwas? "Ich liebe mein Land, und ich hasse den Staat", sagt Florian. Er will stark wirken. Aber er ist nicht mehr als ein blasser Junge auf einem leeren, dreckigen Spielplatz. "Ich muss weitersuchen", sagt er. "Eine Ausbildung ist wichtig. Für das spätere Familienleben. Um mal auf eigenen Beinen zu stehen, eine Wohnung zu haben, seine Frau, seine Kinder zu ernähren."

Wie das mit der Lehre noch klappen soll, weiß er allerdings nicht. Anfang 2011 heuert Florian bei einer Zeitarbeitsfirma an. Als ungelernter Produktionshelfer baut er jetzt Autoteile zusammen. Verdient 800 Euro netto im Monat. Eine Familie könnte er damit nicht ernähren.

Die Räume sind dieselben, nur das Gesicht ist ein anderes. In der Werkstatt der Firma InBIT, aus der Florian rausgeflogen ist, arbeitet jetzt Ivan. Als er aus dem Jugendarrest kam, wollte er noch einmal alles von vorn probieren. Er ging noch einmal zum Arbeitsamt, aber auch diesmal gab es natürlich nur einen Platz in einer Übergangsmaßnahme.