Der Name Autocenter lässt einiges erwarten. Geruchsbäume etwa, Motoröl in praktischen Fünfliterkanistern, Felgen ab 19,90 Euro, Noppengummis fürs Lenkrad. Doch das alles findet man im Autocenter in Berlin-Friedrichshain nicht, stattdessen gibt es dort Kunst zu sehen, und zwar viel und abwechslungsreich. In den zehn Jahren, die es die gut 300 Quadratmeter große Ausstellungshalle gibt, wurden hier weit über 120 Ausstellungen von gut 400 Künstlern gezeigt – darunter bekannte Namen wie Olafur Eliasson , Christoph Schlingensief und Jonathan Meese . Im Durchschnitt dauert eine Ausstellung nicht länger als zwei Wochen, die meisten Besucher kommen zu den Vernissagen, die regelmäßig zu großen Festen ausarten.

Um den Verkauf der Kunst geht es im Autocenter normalerweise nicht, doch jetzt, zum zehnjährigen Jubiläum und parallel zum Galerienwochenende Art Berlin Contemporary (ABC), veranstaltet das Autocenter am 8. September eine Benefizauktion. Die 36 Kunstwerke sind Spenden von Berliner Künstlern, der Erlös soll in den Haushalt des Ausstellungsraums fließen. Denn dem Autocenter mangelt es chronisch an Geld. Sammlern, die sich für die Berliner Kunst interessieren, einen guten Kauf machen wollen und damit auch noch die Szene unterstützen wollen, bietet diese Auktion eine einzigartige Gelegenheit, Gutes zu tun.

Gegründet und betrieben wird der für die Kunstszene Berlins so wichtige Ort von den beiden Künstlern Joep van Liefland und Maik Schierloh. Der Erste hat mit seiner Kunst einigen Erfolg auf dem Kunstmarkt, der Zweite ist inzwischen auch erfolgreicher Gastronom: Er betreibt die Bar Babette auf der Karl-Marx-Allee. Auch im Babette wird regelmäßig Kunst gezeigt, wie im Autocenter sind es Werke, die den beiden Betreibern oder ihren Künstlerkollegen gefallen, es aber meist noch nicht in die Neue Nationalgalerie geschafft haben – und es zum großen Teil wahrscheinlich auch nie dorthin schaffen werden.

Die Miete für den geräumigen Ausstellungsraum und den Druck der Einladungskarten haben van Liefland und Schierloh stets durch den Getränkeverkauf bei den Vernissagen und aus ihren eigenen, nicht gerade üppig gefüllten Taschen gezahlt. Die völlige Autonomie war ihnen wichtig – so wie auch die der von ihnen eingeladenen Künstler und Kuratoren, die stets Carte blanche für ihre Ausstellungen bekommen. Doch jetzt braucht es Geld, um dem Autocenter, das im Juni auch in der Berliner Leistungsschau Based in Berlin einen eigenen Raum bespielen durfte, über das nächste Jahr zu helfen. Oder vielleicht sogar – je nach Ergebnis der Auktion – für zwei, drei gesicherte Jahre zu sorgen.

Die Auktion wird ein Ereignis für Kunstfreunde ohne Geld wie auch für zahlungskräftige Sammler, denn neben Editionen (eine Aktfotografie von Martin Eder , Schätzpreis: 800 bis 1.000 Euro, oder ein Objekt von Olafur Eliasson , Schätzpreis: 2.000 bis 3.000 Euro) gibt es auch großformatige Unikate von auf dem Kunstmarkt begehrten Künstlern zu ersteigern. Eberhard Havekost etwa hat sein befremdendes Ölgemälde eines Tierauges eingeliefert (Schätzpreis: 25.000 bis 30.000 Euro), Katharina Grosse eine ihrer regenbogenfarbenen Abstraktionen (20.000 bis 25.000) und Thomas Scheibitz ein gemaltes Portrait/Pokal (Schätzpreis 16.000 bis 18.000). Die Taxen sind, verglichen mit den Preisen, die von den Galerien dieser Künstler sonst verlangt werden, allesamt eher moderat angesetzt.

Schierloh und van Liefland haben sich für die Auktion mit Experten zusammengetan, das Auktionshaus Phillips de Pury wird den Auktionator Henry Allsopp aus London schicken. Und hoffentlich werden auch Sammler kommen und die Preise für die zusammengetragenen Lose in Bietgefechten ordentlich in die Höhe heben. Damit diejenigen Künstler, die noch kein Geld mit ihrer Kunst verdienen, auch in Zukunft einen großen, traditionsreichen Ausstellungsort in Berlin haben. Und damit das Autocenter weiterhin frei von kommerziellem Druck agieren kann. Mit ihrer Auktion schreiben Maik Schierloh und Joep van Liefland auch ein neues Kapitel in der Geschichte der an Anomalien und Paradoxien so reichen »Berliner Ökonomie«. Es heißt: Kaufen für den Antikommerz.