Hewlett-Packard (HP) macht kurzen Prozess. Der größte Computerhersteller der Welt will von Personal Computern (PC) nichts mehr wissen . Und von Smartphones und Tablets auch nicht . Das ist etwa so, als hätte Volkswagen angekündigt, künftig keine Autos mehr herzustellen, sondern bloß noch Lastwagen und Verkehrsleitsysteme.

Am vergangenen Donnerstag kündigte der US-Konzern an, seine Privatkundensparte abzuspalten, um sie womöglich später zu verkaufen. Die Veer genannten Handys und das Touchpad mit dem brandneuen Betriebssystem WebOS würden sogar ganz beerdigt, teilte HP mit. Sie waren nur wenige Wochen im Handel. Stattdessen wolle man für zehn Milliarden Dollar die britische Softwarefirma Autonomy erwerben. Hardware raus, Software rein.

Im Konzern herrscht offenbar große Verunsicherung. Das wäre auch kein Wunder, schließlich sank der Börsenkurs in den vergangenen knapp eineinhalb Jahren von gut 50 auf unter 30 Dollar je Aktie. Die Verkäufe von Personal Computern brachen weltweit ein. Das traf Hewlett-Packard ganz besonders, schließlich verkaufte kein Unternehmen so viele Rechner an Privatkunden wie der amerikanische Konzern.

Manche argumentieren, der seit November vergangenen Jahres von dem Deutschen Léo Apotheker geführte Konzern konzentriere sich nun wieder auf seine Wurzeln: das Geschäft für Großkunden, mit Großrechnern, Software und Dienstleistungen. Man könnte es tatsächlich so sehen: 2002 setzte die damalige Chefin Carly Fiorina gegen Widerstände die Übernahme von Compaq durch. Ihr Nachfolger Mark Hurd festigte die Position des Konzerns als global bedeutendster PC-Hersteller.

Dass Apotheker nun mit dieser Strategie bricht, hat triftige Gründe: Der PC hat Konkurrenz durch Smartphones und Tablets bekommen, der Vorsprung von Apple und Google ist hier gewaltig. Und dass die Ära des PCs enden würde, haben andere früher erkannt. Als der Rivale IBM 2005 sein Geschäft mit den kleinen Rechnern an das chinesische Unternehmen Lenovo verkaufte, gefiel sich HP noch ganz gut in seiner Rolle als Großmacht. Die Entscheidung vom Donnerstag sieht so aus, als wolle HP es nun IBM gleichtun, freilich mit einigen Jahren Verspätung.

Durch die selbst verschuldete Verzögerung befindet sich HP also in einer weitaus schlechteren Lage als seinerzeit IBM. Und mit ihrer Ankündigung hat sich die Konzernführung selbst unter Druck gesetzt. Da den Beschäftigten der betroffenen Konzernbereiche nun klar ist, dass sie keine Zukunft mehr bei HP haben, dürften sie sich nach neuen Jobs umsehen. Die Wechselbereitschaft innerhalb der Hightechbranche ist ausgesprochen groß. Die einst stolze Privatkundensparte droht so zu einer wertlosen Hülle ohne Inhalt zu werden. Ein möglicher Verkauf dieser Geschäftsbereiche müsste also ganz schnell gehen.

Was hat HP nicht für Geld ausgegeben, um Apple doch noch anzugreifen. Erst im Frühjahr vergangenen Jahres wurde der vielversprechende, kommerziell aber erfolglose Handyhersteller Palm für rund 1,2 Milliarden Dollar übernommen. Der hatte gerade das neue Betriebssystem WebOS entwickelt, das als enorm fortschrittlich galt. Die Übernahme schien die letzte Chance, überhaupt noch an ein brauchbares Betriebssystem für mobile Geräte zu kommen, bevor Apple und Google vollends davonziehen.

Palm sei eine »ideale Plattform, um HPs Wachstumsstrategie voranzubringen«, tönte das Management seinerzeit. HP beabsichtige, im Markt der Tablets und Smartphones bald »eine führende Rolle« zu spielen. Ja sogar auf klassischen Personal Computern lasse sich WebOS einsetzen. Eine Revolution schien bevorzustehen, Wachstum ohne Ende. Doch der Managementlyrik folgten vor allem Ladenhüter, nicht einmal eine drastische Preissenkung brachte die Kunden dazu, sich für die neuen Touchpads zu entschieden. Sie kauften lieber iPads. Die Strategie erwies sich als Sackgasse.

Die HP-Führung weiß das jetzt. Den richtigen Weg aber muss der Konzern erst noch finden.