Die Drogeriemarktkette dm hat Ilse Aigner, der Verbraucherschutzministerin, Zeitungsanzeigen finanziert . Die wurden auch noch direkt neben der Werbung des Unternehmens platziert. Unglaublich, oder? Und das alles im Boulevardblatt Bild – eine Konstellation, die der sowieso schon pikanten Angelegenheit noch eine gewisse Würze verlieh. Trotzdem wundert die plötzliche Erregung über die Nähe von Wirtschaft und Politik.

Seit Langem schon werden Ministerien von der Wirtschaft gesponsert. In den Jahren 2009 und 2010 kassierten sie fast 100 Millionen Euro. Ganz unbefangen teilt der Minister des Inneren in seinem einschlägigen Bericht über diese Praxis mit, dass ohne diese Unterstützung viele Vorhaben nicht oder nur in geringerem Umfang hätten verwirklicht werden können.

Das meiste Geld (61 Millionen Euro) floss ins Gesundheitsministerium. Selbst das Bundesverfassungsgericht steht in der Gunst von privaten Gönnern. Da mutet es geradezu erfreulich an, dass wenigstens der Bundesrechnungshof von privaten Zuwendungen verschont blieb.

Einschlägige Marketingwerke lehren: Sponsoring basiert auf dem Prinzip der Leistung und Gegenleistung. Aus diesem Grunde ist die Praxis von Unternehmen, Ministerien und Behörden, aber auch Parteien mit Geld zu versorgen, schlichtweg empörend. Volksvertreter und Regierung müssen frei sein von dem Verdacht, geschmiert zu werden. Deshalb gehören sowohl Parteispenden aus der Wirtschaft als auch das Sponsoring von Ministerien schleunigst verboten.