Australische Biologen haben hunderttausende Gelbfiebermücken mit Bakterien infiziert und ausgesetzt. In Wohngegenden. Jetzt ist dort fast die gesamte Mückenpopulation befallen. Und das verbuchen die Forscher als Erfolg. Sie kämpfen gegen eine Seuche.

Normalerweise befällt das Bakterium Fruchtfliegen, doch in einer zwei Jahre langen Zucht haben es die Biologen an seinen neuen Wirt gewöhnt, wie sie im Wissenschaftsmagazin Nature berichten. Bei Gelbfiebermücken verhindert es nun die Infektion mit dem Dengue-Virus, wahrscheinlich weil es das Immunsystem der Insekten stärkt.

Es wird von den Müttern an den Nachwuchs übertragen und breitet sich so aus. Das erhoffte Ergebnis: Die angesteckten Mücken können Dengue-Fieber nicht mehr übertragen. Die Australier beschwören bereits den Beginn einer neuen Ära im Kampf gegen Krankheiten, die per Mückenstich übertragen werden.

Die Reaktionen in Europa und besonders in Deutschland sind vorhersehbar. Die in Australien eingesetzten Bakterien waren konventionell gezüchtet worden. Doch ähnliche Seuchenbekämpfungen mit Millionen gentechnisch veränderten Mücken laufen bereits in Malaysia und Brasilien. Das weckt reflexartig Ängste: Können fremde Gene oder Organismen in der Natur nicht unvorhersehbaren Schaden anrichten?

Ja, solche Einsätze sind mit Gefahren verbunden. Es ist leicht, sie als naiv abzutun. Hat doch gerade Australien genügend schlechte Erfahrungen mit der Freisetzung fremder Spezies gemacht. Aber nach dem sinnvollen Reflex der Gefahrenabwehr ist ein Perspektivwechsel ratsam: Vier von zehn Erdenbürger bedroht das Dengue-Fieber, jedes Jahr erkranken mehr als 50 Millionen, Hunderttausende sterben daran – Tendenz steigend.

Konventionelle Seuchenbekämpfung, wie etwa der Einsatz von Insektiziden, birgt ihre eigenen Risiken für Umwelt und Gesundheit, bei bisher mäßigem Erfolg.

Schon hat sich Vietnam den Australiern für die weitere Erprobung der Bakterientechnik angeboten. Hier scheint in der politischen wie gesellschaftlichen Abwägung schlicht der Nutzen zu überwiegen. Wissenschaftlich bleibt das Unternehmen trotz des Erfolges zunächst ein Großversuch, den es weiter sorgfältig zu kontrollieren gilt. Unter dem Strich aber bietet der Perspektivwechsel eine Chance: die Rückkehr zu mehr Objektivität in einer vor allem von Ängsten geprägten Debatte.