Ich träume immer ganz viel und ganz reale Dinge. Gestern habe ich geträumt, dass mir die Haare ausfallen. In den letzten Wochen träumte ich oft, dass ich Flüge verpasse. Ich hatte gerade Ferien und war viel auf Reisen. Die ganzen sechs Wochen war ich unterwegs, in London und auf Kreta, in Stockholm und auf ein paar Festivals. Nun geht es wieder zur Schule. Eigentlich wäre es mein letztes Schuljahr, aber ich wiederhole eine Klasse, deshalb sind es noch zwei. Ich habe oft gefehlt, weil ich gedreht habe. Da hat es nicht ganz gereicht.

Ich wollte schon Schauspielerin werden, als ich in der Grundschule zum ersten Mal auf der Bühne stand, das war in dem Kindermusical Ritter Rost und Prinz Protz. Damals habe ich so stark gezittert, dass meine Beine gegeneinanderschlugen. Aber es hat sofort Spaß gemacht. Ich dachte: Genau das will ich. Vor der Kamera bin ich mittlerweile total entspannt. Nur wenn ich mich selbst auf der Leinwand sehe, ist das merkwürdig. Selbst wenn ich mir allein einen meiner Filme auf DVD anschaue, werde ich noch rot.

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Ich denke nicht großartig darüber nach, wie ich etwas spiele. Ich mache es einfach. Es ist einfach da, und dann bin ich das. Ich höre das Geräusch der Klappe und bin jemand anderes in einer anderen Welt. Das ist wie ein Zaubertrick. Es kommt einfach von innen. Wenn es gut läuft, ist es wie ein Rausch.

Aber es gibt auch Tage, da habe ich eine Blockade. Da habe ich das Gefühl, ich kann nicht denken, ich bin dann nicht in der Lage, die Person rauszulassen. Es ist, als würde ich sie in dem Moment bei mir behalten wollen. Als wäre in mir so eine kleine Hand, die sie festhält.

Manchmal träume ich von meinen Rollen. Beim Dreh zu dem Film Puppe mit Corinna Harfouch habe ich mal geträumt, dass mich alle schlecht fanden und mir rieten, einen anderen Beruf zu suchen. Dahinter stecken vermutlich Versagensängste. Dabei bin ich eigentlich kein besonders ehrgeiziger Mensch. Vielleicht war ich damals einfach erschöpft. Das war ein ziemlich harter Dreh. Ich habe da ein Junkie-Mädchen gespielt, das umgebracht wird. Wir drehten den ganzen Tag in einem dunklen Bunker und wiederholten die Szene immer und immer wieder. Immer wieder bekam ich eine Flasche über den Kopf und wurde getreten. Ich werde in der Szene totgeschlagen. Erst fliege ich gegen eine Reihe Stühle und dann gegen die Wand. Nur gespielt natürlich.

Aber auch wenn man es körperlich nicht wirklich abkriegt, ist die Gewalt ja spürbar. Dann fingen auch noch meine Haare Feuer. Danach war ich mit den Nerven am Ende. Ich habe die Brutalität einfach unterschätzt.

Ich wünsche mir trotzdem, als Schauspielerin immer wieder an meine Grenzen zu kommen. Ich mag es, mich selbst zu testen. Wie weit kann ich noch gehen? Ich glaube, ein guter Schauspieler bringt in jede Rolle etwas von sich selbst mit hinein. Sonst würde man ihn ja nicht immer wieder sehen wollen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio