DIE ZEIT: Wann fängt Karriereplanung an?

Petra Spiess: Grundsätzlich sollte man zwischen Bildungs- und Berufsplanung unterscheiden. Die Bildungsplanung beginnt im Kindesalter und ist Aufgabe der Eltern. Wenn sie ihrem Kind viele Anreize bieten, kann es seine Neigungen herausfinden, zum Beispiel über Sommercamps, Musikunterricht oder einen Chemiebaukasten. Die konkrete Berufsplanung beginnt mit dem ersten Praktikum, denn damit gebe ich eine Richtung vor, in die ich mich entwickeln möchte. Auch wenn ich dabei herausfinde, dass ich mir diesen Job ganz anders vorgestellt habe, ist ein erster Schritt getan.

DIE ZEIT: Was muss ich bei der Karriereplanung berücksichtigen?

Spiess: Neben der Branche, in der man arbeiten möchte, sollte man sich zunächst überlegen, ob man in einem Großkonzern oder eher in einem mittelständischen Unternehmen arbeiten möchte. Wer sich für den Mittelstand entscheidet, sollte viele Praktika absolvieren. Das ist hier wichtiger als zum Beispiel Auslandserfahrung, die unbedingt Voraussetzung für einen Großkonzern ist. Neben dem Beruf muss ich aber meine gesamten Lebenspläne bedenken: Möchte ich Kinder haben? Habe ich Hobbys, für die ich ausreichend Zeit einplanen will, oder finde ich im Job meine Erfüllung?

DIE ZEIT: Und wie finde ich heraus, für welche Art von Karriere ich geeignet bin?

Spiess: Wer viel Wert auf Sicherheit legt, sollte sich einen festen Job in einer konservativeren Branche suchen. Braucht man hingegen häufig Veränderungen, ist man in einem flexiblen Job richtig und sollte darüber nachdenken, freiberuflich zu arbeiten. Diese Grundsatzfrage muss man sich ehrlich beantworten. Darüber hinaus hilft die Einschätzung von Freunden, der Familie oder von Professoren. Sie können zum Beispiel beurteilen, ob man andere führen kann oder ob man offen auf neue Menschen zugeht.

DIE ZEIT: Wie lange im Voraus kann man planen?

Spiess: Maximal zehn bis fünfzehn Jahre. Alles darüber hinaus ist unrealistisch. Denn die Möglichkeiten, die der Arbeitsmarkt bietet, ändern sich heute sehr schnell.

DIE ZEIT: Wie kann die Planung konkret aussehen?

Petra Spiess: Ich kann zum Beispiel ein Berufsplanungs-Tagebuch führen. Am besten notiert man hier einen richtigen Projektplan. Das Ziel ist der Job oder die Position, die ich einmal erreichen möchte. Für den Weg dorthin setzt man sich Zwischenziele. Wenn man bereits weiß, in welchem Unternehmen man einmal arbeiten möchte, sollte man während des Studiums dort ein Praktikum machen. Wer schon im Beruf ist, plant, welche Karrierestufen er in den nächsten Jahren erreichen will. Es hilft, alle drei bis vier Monate in das Buch zu schauen, um sich zu motivieren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.