Berlin sei, so heißt es, eine Stadt des ständigen Werdens. Doch ist sie ebenso eine Stadt des Vergehens. Manches hier – ein teures Auto etwa – vergeht, weil in Berlin zuweilen eine große Lust an der Zerstörung herrscht. Anderes vergeht, weil es zu langweilig geworden ist, weil sich keiner mehr dafür verantwortlich fühlt. Ein Beispiel dafür ist das Art Forum Berlin . Von umtriebigen Galerien gegründet, fand seit 1996 Jahr für Jahr diese Messe für zeitgenössische Kunst statt. Gefeiert wurde sie besonders zu Beginn als die europaweit einzige Messe, die sich der aktuellen Produktion widmete. Sie schien die bis dahin größte deutsche Kunstmesse, die Art Cologne, in die internationale Bedeutungslosigkeit zu drängen.

Doch diesen Herbst wird es das Art Forum nicht mehr geben. Schuld daran, sagt die Messegesellschaft Berlin, sei ein Zusammenschluss mächtiger Berliner Galeristen, die seit drei Jahren parallel zum Art Forum eine Ausstellung mit Künstlern ausgewählter Galerien veranstalten, die Art Berlin Contemporary (ABC). Eine Verkaufsveranstaltung, die weit mehr von der Berliner Atmosphäre des Avantgardistischen und Authentischen einfing als die Galerienkojen der Messehalle am Rande der Stadt.

Kommende Woche (vom 7. bis 11. September) findet nun die ABC in den Hallen des ehemaligen Postbahnhofs am Gleisdreieck statt, Thema dieses Zwitters aus Ausstellung und Messe ist diesmal das Malerische. Die Betreiber der ABC – zu ihnen gehören die Galerien Neu, Klosterfelde, Neugerriemschneider, Schipper, Meyer Riegger, Nordenhake und Kamm – werden von manchem Kritiker wegen ihres Erfolgs und ihrer Macht als Mafia tituliert. Sie haben auch das Gallery Weekend erfunden, jenen stadtweiten Galerienrundgang, der alljährlich im Frühjahr Sammler und Kuratoren in die Stadt lockt.

Haben diese Galeristen mit ihrer ABC das Art Forum bewusst gekillt, wie manche vermuten, um nun allein den Berliner Kunstmarkt zu beherrschen? Die Sache scheint wohl in Wahrheit etwas komplizierter zu sein: Weder die Messegesellschaft noch die meisten teilnehmenden Galerien hatten mit dem Art Forum je große finanzielle Gewinne gemacht. Und in diesem Herbst wollten anscheinend noch weniger bekannte Galerien teilnehmen als voriges Jahr. Schuld daran, sagen die Galeristen Joanna Kamm und Jochen Meyer, die diesjährigen Verantwortlichen der ABC, sei die Lage der Messe am Stadtrand gewesen, fern jeder Kunstszene. Vor allem aber habe der Termin des Art Forum im internationalen Kunstmessenkalender – Anfang Oktober, viel zu kurz vor den Messen Frieze in London und Fiac in Paris – die kauflustigen Sammler vom Kommen abgehalten. Die ABC findet deshalb jetzt schon früher statt. Das Art Forum krankte, für seine Rettung fühlte sich niemand wirklich verantwortlich.

Nach der Bekanntgabe des Art-Forum-Endes haben sich die ABC-Macher schwer ins Zeug gelegt, zwei große Hallen im ehemaligen Postbahnhof angemietet. Die Kuratorin Rita Kersting hat über hundert Künstler ausgewählt, die sich im weiten Sinne mit Malerei auseinandersetzen, dann wurden die Galerien der Künstler in Berlin, Peking und New York angefragt, ob sie für 3500 Euro an der Ausstellung teilnehmen wollten – ein Preis, der weit unter den einstigen Standpreisen des Art Forum liegt. Auf einer vier Meter hohen Wand, die wie ein Band durch die Hallen mäandert, wird nun zum Beispiel ein recht minimales Gemälde von André Butzer (vertreten von den Galerien Hetzler und Baudach) neben einer Filmarbeit von Rineke Dijkstra (vertreten durch die Brüsseler Galerie Jan Mot) arrangiert: In dem Video sieht man ein Schulmädchen, das einen Picasso abzeichnet. Allerlei klassische und gut verkäufliche Tafelbilder – von Marlene Dumas oder Elizabeth Peyton – werden gezeigt, aber auch Versuche, die Funktion der Malerei zu überdenken. Den Dekorationscharakter der abstrakten Malerei ironisiert der Beitrag von John Armelder, der eine weiße, mit blauen Punkten bemalte Leinwand gleich mit dem passenden Möbel von Arne Jacobsen anbietet.

Ob diese Zusammenstellung von 130 Künstlern dem Betrachter einen konzisen Überblick über den Stand der Malerei bietet, wird man sehen. Falls sich die Kunst aber verkauft, könnten die Berliner ein doppeltes Geschäft machen – und auch ihre ABC in andere Städte exportieren.