Der Gedanke, es könne sinnvoll sein, die Rollenverteilung in seiner Familie wenigstens zeitweise zu verändern, kam Dirk Panter beim Spielen mit seinem ältesten Sohn. Der Fünfjährige hatte gerade seinen Vater ins Kinderbett verfrachtet, mit Kuscheltier und Gute-Nacht-Lied. Als seine Mutter ähnlich umhegt werden wollte, beschied der Kleine ihr, das gehe nicht. "Er sagte, Mama müsse erst noch kochen, putzen und waschen", erinnert sich Panter. "Da wurde mir klar, dass es eine gute Idee wäre, Elternzeit zu nehmen und meinen beiden Söhnen zu zeigen, dass auch Papa solche Aufgaben übernehmen kann."

Doch Papa ist Generalsekretär der sächsischen SPD und seit 2009 zudem Landtagsabgeordneter – und fällt aus der Gruppe der Eltern heraus, denen das vor viereinhalb Jahren eingeführte Elterngeld ermöglichen soll, eine Jobpause für den Nachwuchs einzulegen. Denn Abgeordnete haben keinen Arbeitgeber, der sie freistellen könnte. Sie sind nur sich und ihrem Gewissen verpflichtet. Das heißt: Panter könnte theoretisch zwar jederzeit beschließen, sich daheim um die Söhne zu kümmern; offiziell Elternzeit nehmen aber kann er nicht. Auf eine Anfrage antwortete ihm Landtagspräsident Matthias Rößler, man könne ihn zwar für die Plenarsitzungen des entsprechenden Zeitraums beurlauben, ein Verzicht auf die Entschädigung und die Kostenpauschale, die jeder Abgeordnete erhält, wäre nach dem Sächsischen Abgeordnetengesetz aber "unzulässig". Diese Pauschale würde um 50 Euro je Sitzungstag gekürzt, sollte Panter präsenzpflichtige Sitzungen versäumen.

Genau das passierte dann auch: Panter teilte seiner Fraktion mit, er werde sich Anfang 2011 für zweieinhalb Monate aus dem politischen Geschäft zurückziehen, um sich um seinen damals einjährigen jüngsten Sohn zu kümmern – ganz aus Gewissensgründen und nicht aus einem Rechtsanspruch heraus. Und mit einem Einkommen weit über dem Maximalbetrag des Elterngeldgesetzes, von dem er dann mehr spendete als üblich, um nicht das Gefühl zu haben, für sich selbst eine Ausnahme zu machen. Ausnahme zu sein, das findet der 37-Jährige in diesem Fall frustrierend: "Ich hätte gern eine normale Elternzeit gehabt wie normale Angestellte. Der offizielle Status, mich ausschließlich um die Kinder zu kümmern und dafür maximal 1.800 Euro zu bekommen, wäre mir psychologisch wichtig gewesen – schon allein als Signal für mich selbst und auch nach außen, dass Politiker das umsetzen, was sie selbst beschlossen haben."

Und das zu tun, was im Trend liegt: Fast 24 Prozent der deutschen Männer, die im Jahr 2009 Vater wurden, nahmen Elternzeit. Besonders vorbildlich sind die Sachsen; hier legten 31 Prozent der Väter für den Nachwuchs eine Jobpause ein.

Dass Abgeordnete Elternzeit nehmen, ist eigentlich nicht vorgesehen

Trotzdem kam Panters Entschluss nicht überall gut und schon gar nicht bei jedem so an, wie er es gern gehabt hätte. Dass einige über den Generalsekretär lästerten, der lieber wickeln als sich um die Belange des Mandats kümmern wolle, steckte Panter weg. Wirklich ärgerlich aber habe er es gefunden, dass ihm immer wieder von Kollegen "viel Spaß im Urlaub" gewünscht wurde. "Selbst Menschen mit eigenen Kindern scheinen gelegentlich zu vergessen, dass es alles andere als Erholung ist, sich rund um die Uhr um kleine Kinder zu kümmern. Dass der Eindruck erweckt wurde, ich würde zwei Monate blaumachen, hat mich genervt."

Panter ist froh, sich seine Vätermonate organisiert zu haben. Wie viel von der neuen Rolle, die er dabei übernommen hat, in der Wahrnehmung seiner Söhne hängen geblieben ist, ist allerdings unklar: Zurück im Vollzeit-Politikerdasein, steht wieder ein Arbeitspensum an, das ihn zeitweise nur alle zwei Wochen für zwei Tage in den Leipziger Familienwohnsitz führt. Ohne eine Lebensgefährtin, die die meiste Zeit allein für Kinder und Haushalt zuständig ist und dafür die eigene Karriere als Kommunikationswissenschaftlerin zurückstellt, ginge es nicht. Im Mai hat der SPD-Bundesparteivorstand Maßnahmen "für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in Familie und Arbeitswelt" vorgeschlagen – das eigene Personal profitiert davon erst mal nicht.