Das ist eine Kobushi-Magnolie, die kommt ursprünglich aus Japan, schauen Sie", sagt Susanne Böll und deutet auf ein schütter belaubtes Bäumchen. Es wächst am Rand der viel befahrenen Salvatorstraße in Würzburg, daneben acht Artgenossen in Reih und Glied. Eine Testreihe: "Magnolien haben im Frühling herrliche Blüten, sie bilden eine schöne Krone aus, und zugleich ertragen sie auch Frost und Trockenheit." Darauf kommt es immer öfter an, denn der Klimawandel setzt gerade Bäumen in der Stadt schon heute zu.

Böll ist auf der Suche nach dem Stadtbaum der Zukunft. Die Biologin betreut das Forschungsprojekt "Stadtgrün 2021" an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau im fränkischen Veitshöchheim. Es ist das größte Vorhaben seiner Art in Europa. Die Wissenschaftler fahnden nach Bäumen, die den zunehmenden Wetterextremen trotzen können.

Vor einem Jahr wurden an drei bayerischen Standorten mit unterschiedlichem Klima 20 neue Arten gepflanzt: in Kempten am regenreichen Alpenrand, in Hof, wo eher ein kontinentales Klima herrscht, und im trocken-warmen Würzburg. Dort wachsen jetzt außer der Magnolie auch Silberlinden aus Südosteuropa und Manna-Eschen, die auf dem Balkan heimisch sind. Zehn Jahre lang wollen die Forscher beobachten, wie sich die Gewächse entwickeln: Werden sie längere Trockenphasen ebenso überstehen wie strenge Kälteperioden im Winter oder plötzliche Spätfröste wie in diesem Frühjahr? Und welche Arten bieten den Schädlingen Paroli, die sich vor allem nach längeren Trockenperioden auf die Bäume stürzen?

Bislang konnten es sich die Stadtgärtner relativ leicht machen. Sie holten den Wald einfach in die Stadt. Sechs bis acht heimische Waldbaumarten machen noch heute fast 80 Prozent der Bäume in den Städten aus. Dazu kommen einige wenige Arten aus Südeuropa. Die Platane zum Beispiel wurde vor rund 200 Jahren angesiedelt, weil sie attraktiv aussieht mit ihren ahornartigen Blättern; ähnlich wie die Robinie, auch Scheinakazie genannt, die im Frühjahr prächtig blüht. "Das hat lange Zeit gut funktioniert", sagt Böll. Doch jetzt scheinen die Waldbäume in den dicht besiedelten und versiegelten Städten an ihre Grenzen zu stoßen. "Viele Stadtgärtner wissen gar nicht mehr, was sie pflanzen sollen", sagt Klaus Körber, Landwirtschaftsdirektor an der Veitshöchheimer Anstalt. "In den vergangenen zehn Jahren haben die Kalamitäten durch bekannte, aber auch durch neue, eingewanderte Schädlinge explosionsartig zugenommen."

Da macht sich die Wollige Napfschildlaus über Linden her, sie überzieht Stämme und Äste mit einem schmierigen, weißlichen Film. Eschen kämpfen mit dem Pilz Chalara fraxinea, der ihre Triebe absterben lässt; er weckt Erinnerungen an das berüchtigte Ulmensterben. Bergahorne werden von der Rußrinden-Krankheit heimgesucht, ebenfalls einer Pilzerkrankung. Auch die eigentlich robusten Platanen hat es erwischt. Sie leiden seit einigen Jahren unter der Massaria-Krankheit, die zu gefürchteten "Grünbrüchen" führen kann: Äste brechen urplötzlich ab, obwohl sie völlig gesund erscheinen. Eichen werden von Raupen des Prozessionsspinners bevölkert; auf deren Brennhaare reagieren manche Menschen stark allergisch. Und an den traurigen Anblick brauner Rosskastanienkronen bereits im Frühsommer, die Folge einer Masseninvasion der Miniermotte , hat man sich beinahe schon gewöhnt.