Joigny. Ein brennendes Dorf. Soldaten, die Stiefel auf Hochglanz poliert, werfen sich in bedrohliche Posen. Chinesische Ölfeld-Ingenieure im lockeren Gespräch. Bei unerträglich stickiger Hitze, in Ländern, in denen Verzweiflung, Tod und Zerstörung den Alltag bestimmen, hat Hubert Sauper seinen neuen Film gedreht. Lange hüllte sich der seit 1994 in Frankreich lebende Österreicher über sein neues Projekt in Schweigen. Man wusste lediglich, dass er begonnen hatte, Flugstunden zu nehmen. Vor etwa drei Jahren begann er, sein eigenes Ultraleichtflugzeug zu bauen, einen aus Dutzenden Einzelteilen zusammengesetzten einmotorigen Prototyp, der eher den ersten Flugapparaten der Gebrüder Wright ähnelt als einem Modell des 21. Jahrhunderts.

Inzwischen ist Sauper mit diesem Mini-Aeroplan, getauft auf den Namen Sputnik, Zehntausende von Flugmeilen kreuz und quer über den afrikanischen Kontinent geflogen. Nach monatelangen Dreharbeiten brachte er 200 Stunden Filmmaterial zurück nach Hause. In einem der kleinen Bauten auf seinem Anwesen in der Bourgogne, 150 Kilometer südöstlich von Paris, schneidet er nun den Film, der im nächsten Jahr in die Kinos kommen soll.

Hubert Sauper wurde 1966 in Kitzbühel geboren und wuchs in der Kärntner Gemeinde Großkirchheim in den Hohen Tauern auf, wo seine Eltern den örtlichen Schlosswirt bewirtschafteten; seine Mutter Maria führt das kleine Hotel bis heute. In Wien studierte er Film, zog später nach Paris und erlebte 1998 den Durchbruch: mit seiner Dokumentation Kisangani Diary über eine Gruppe von 80.000 Hutu-Flüchtlingen aus Ruanda, die Schutz suchend durch den Regenwald von Zaire irrten, als er ihnen am Ufer des Kongo begegnete. Die Dokumentation beginnt mit den Worten: "Wenn Sie diesen Film sehen, sind die meisten der hier Abgebildeten bereits tot."

Er lebte damals bereits seit einigen Monaten in Tansania, war fasziniert von Afrika: "Ich half einem Freund aus Tel Aviv, eine Produktionsfirma aufzubauen. Wir machten kleine Filme in diesem Land, auf diese Weise lernte ich Tansania immer besser kennen, kam auch an den Viktoriasee, der dann Thema meiner nächsten Arbeit werden sollte." Das war der Antiglobalisierungsfilm Darwin’s Nightmare, der 2004 für den Oscar nominiert und mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet wurde. Millionen Kino- und Fernsehzuschauer sahen weltweit den viel diskutierten Dokumentarfilm.