Typisch Apple: Fans stehen Schlange vor dem Shop, weltweiter Hype, Massenhysterien um Produkte, die einen ganzen Lebensstil bedeuten, ersonnen von charismatischen Firmengründern aus dem Hippie-Umfeld. Und das alles Jahre vor der Erfindung des PCs.

Steve Jobs hätte es nicht besser sagen können: "Wir haben jetzt dieses Ding namens Apple, da wird es um Platten gehen, um Filme, um Elektronik – die ja alle miteinander zusammenhängen." So formulierte John Lennon im Frühjahr 1968 seine Vision für Apple, die kurz zuvor gegründete Firma der Beatles. Steve Jobs war damals 13, acht Jahre später gründete er seine eigene Firma und nannte sie: Apple.

Die beiden Apples haben so viel gemeinsam, dass man sie manchmal für ein und denselben Betrieb halten könnte. Diese Gefahr sahen auch die Anwälte und Nachlassverwalter der Beatles und führten von 1978 an einen Prozess nach dem anderen gegen Steve Jobs. Die Schlacht um den Apfel endete erst 2010, ein Jahr nur bevor Jobs wegen seiner lebensbedrohlichen Erkrankung das Schicksal seiner Firma in andere Hände legen musste.

Das Konglomerat Apple Corps war im Laufe des Jahres 1967 von den Beatles als eine Art Weltverbesserungsanstalt erdacht worden, als Antwort auf ein Luxusproblem: Ihre Steuerberater hatten ihnen vorgerechnet, dass sie zwei Millionen Pfund entweder der britischen Regierung geben könnten – oder in irgendwelche eigenen Ideen investieren. Leichte Entscheidung! Im sogenannten Summer of Love wähnte sich die Hippiewelt, in der damals auch die Beatles restlos aufgingen, am Beginn einer Epoche. Nun bot sich ihnen die Möglichkeit, die kosmischen, psychedelischen, liebestrunkenen Ideen jener Zeit mit einem Riesenbatzen Geld ins Reich der Wirklichkeit zu exportieren.

Und so sollte Apple finanzierungsbedürftigen Talenten aller Art eine Chance geben, Sängern, Künstlern, Filmemachern. "Es geht uns nicht darum, Berge von Gold aufzutürmen", sagte John Lennon damals, "die haben wir schon." Paul McCartney nannte "einen westlichen Kommunismus" als Geschäftsgrundlage. Erstes sichtbares Zeichen der neuen Wirtschaftsordnung war der allererste Apple-Shop der Welt: Die Beatles eröffneten ihn am 5. Dezember 1967 in der Londoner Baker Street.

Es gab diese Boutique nur ein gutes halbes Jahr lang. Trotzdem füllt sie nun, verdientermaßen, ein ganzes Kapitel in dem Buch Fab Fashion des britischen Autors Paolo Hewitt, das Ende September im Prestel Verlag erscheint. In prächtigen Bildern und akribischen Analysen präsentiert Hewitt die Beatles als Modephänomen. Dabei kommt so viel Material zusammen (die Beatles hatten im Jahrzehnt ihres Bestehens schließlich jeden Tag etwas an, nur Lennon zeigte sich mit Yoko Ono in der Spätphase gern nackt), dass die Bandmitglieder im Laufe der Lektüre zunehmend wie Modeverrückte erscheinen, die Popstars werden mussten, um ihre Leidenschaft für mehr oder weniger exzentrische Klamotten auszuleben. Das ist natürlich übertrieben, um nicht zu sagen Quatsch. Doch wie wichtig Mode für diese Band war, zeigt sich schon daran, wie leicht sich ihre Laufbahn in Dresscodes wiedergeben lässt: schwarzes Leder (die Anfänge im Liverpooler Cavern Club und auf der Hamburger Reeperbahn), kragenlose Anzüge (beginnende Beatlemania und Eroberung der USA), Fantasieuniformen (Sgt. Pepper) , beerdigungstaugliche Anzüge in Weiß und Schwarz (Abbey Road und Auflösung).