DIE ZEIT: Sie haben als Abschlussarbeit eine iPhone-App namens Synse entworfen, die bei der Ausstellung Car Culture im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe gezeigt wird. Was kann mein Handy mit dem Programm machen?

Christian Sander: Synse ist eine interaktive Visual-Music-App. Das heißt, man kann damit Bilder und Musik gleichzeitig steuern. Ich kann also die Musik nicht nur hören, sondern auch im Rhythmus dazu Bilder sehen und beides synchron lenken. Bisher war dies nur einzeln möglich.

ZEIT: Klingt nach einer schönen Spielerei.

Sander: Bei Apps steht tatsächlich der Unterhaltungswert für die Nutzer im Vordergrund. Synse ist sicher kein Tool für einen professionellen Musikproduzenten oder DJ, sondern für Liebhaber, die sich mit Musik und Bildern beschäftigen und beides spielerisch kombinieren wollen. Die technischen Hürden in der Entwicklung waren dennoch groß. Für die Abschlussprüfung habe ich zunächst nur einen Prototyp gebastelt, ein Video, auf dem ich die Idee präsentiert habe. Hinterher habe ich gemeinsam mit einem Programmierer daran weitergearbeitet. Bis zur fertigen App hat es dann noch eineinhalb Jahre gedauert.

ZEIT: Sie haben Ton- und Bildtechnik an der FH und an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf studiert. Sind Sie nun Ingenieur oder Künstler?

Sander: Beides. Das Studium ist eine Mischung aus Technik- und Musikstudium. Einfach gesagt: Man lernt, musikalische Inhalte technisch umzusetzen. Mein Schwerpunkt "Visual Music" wird bislang an keiner anderen Hochschule angeboten. Der Ursprung des Studiums liegt aber klar in der Ausbildung zum Toningenieur, erst später kam das Bild hinzu. Seit Neuestem kann man neben dem Bachelor "Ton und Bild" auch "Musik und Medien" studieren. Dort liegt der Schwerpunkt noch stärker auf dem künstlerischen Bereich.

ZEIT: Wo arbeiten Ton- und Bildingenieure?

Sander: Früher ging man sofort nach der Hochschule zu den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Heute arbeiten Absolventen in allen Branchen. Ich kenne Leute, die in Tonstudios ihr Geld verdienen, andere machen Live-Video-Regie, sind Jazzpianisten oder arbeiten in Akustik-Ingenieurbüros. Es gibt aber auch Absolventen, die später als Filmkomponisten, Kameraleute oder Redakteure arbeiten.