Das deutsche Maschinenbau-Unternehmen hatte ein Problem: Die Teile, die die neue chinesische Niederlassung lieferte, wiesen Fehler auf. Offenbar mangelte es an Ingenieurwissen und am Kommunikationsfluss zwischen Zentrale und Niederlassung. Bislang waren nur deutsche Kaufleute vor Ort, keine Techniker.

Deshalb beschloss die Firmenleitung: Ein junger Ingenieur sollte nach China gehen, als Bindeglied zwischen den deutschen und chinesischen Technikern. Ruck, zuck standen vier Kandidaten auf der Matte. Einer – wie war er glücklich! – bekam den Zuschlag. Den Auslandsaufenthalt sah er als perfektes Sprungbrett für eine Karriere in der Zentrale. 

Das war vor vier Jahren. Seither hat sich für den auserwählten Ingenieur nichts verändert: Er arbeitet immer noch in derselben Position. Immer noch in China. Mehrfach hat er der Unternehmensführung signalisiert, dass er zurück in die Zentrale will. Doch jedes Mal wird sein Ansinnen mit einer Waffe abgeschmettert, gegen die man laut Freud machtlos ist: mit Lob. Es heißt: "Sie machen Ihre Sache in China hervorragend. Wir wollen Ihren Abzug noch nicht riskieren."

So mancher Auslandsaufenthalt, der ein Zwischenhalt sein sollte, gerät zur Karriere-Endstation. Ehe der Kandidat sich’s versieht, wird ihm der Stempel "Auslandsspezialist" aufgedrückt. Derweil arbeiten die Kollegen in der heimischen Zentrale an ihren Laufbahnen. Sie pflegen ihre Kontakte, hören das Gras frei werdender Stellen wachsen und genießen im wahrsten Sinne "Ansehen": Man sieht sie bei wichtigen Meetings, bei entscheidenden Präsentationen , bei Personalgesprächen. Dagegen ist der Legionär vom Radar verschwunden. Bei der Personalplanung hat ihn keiner mehr auf dem Zettel.

Sicher, Auslandsaufenthalte können den Horizont erweitern , geschäftlich und kulturell. Aber bevor Sie gehen, sollten Sie mit Ihrer Firma einen klaren Rahmen festlegen – schriftlich! Vereinbaren Sie, wie lange der Aufenthalt dauert und welche Karrieretüren sich danach für Sie öffnen. Setzen Sie durch, dass Sie mindestens zweimal im Jahr für 14 Tage in der Zentrale arbeiten und Ergebnisse präsentieren können – das ist wichtig für die Kontaktpflege, für die Selbst-PR, für Ihre Präsenz .

Dann wird das Lob, das Sie für Ihre Arbeit im Ausland ernten, nicht zum Superkleber, der Sie dort festhält – sondern tatsächlich zum Beschleuniger für Ihre Karriere in der Zentrale.