Wie viel EU braucht Europa? Wie viel verträgt es? Hören wir hinein in die schwirrende Debatte: Euro-Bonds und europäischer Finanzminister, Wirtschaftsregierung und einheitliches Steuersystem, ein Renteneintrittsalter für alle und die Vereinigten Staaten von Europa – so viele Lösungsvorschläge sind im Gespräch, dass in Vergessenheit zu geraten droht, was eigentlich das Problem war. Und wer es hat.

Um mit der guten Nachricht zu beginnen: Die EU der 27 hat schon mal gar kein größeres Problem, sie funktioniert sogar ganz ordentlich. Und die 17 Länder der Euro-Zone haben zumindest kein Währungsproblem, denn der Euro ist recht stabil. Das einzige wirklich ernste und große Problem, das Europa zurzeit hat, sind die Schulden . Davon haben die Euro-Länder insgesamt zu viele und einzelne südliche Länder so viel zu viel, dass es richtiggehend gefährlich werden könnte.

Das Problem mit den Schulden wiederum zerfällt in zwei: 1. Wie lässt sich die akute Insolvenz einzelner Staaten oder Banken verhindern? 2. Wie kann man gewährleisten, dass die Hilfe von heute nicht morgen zu neuem Schuldenmachen verleitet?

Nun mehren sich die Stimmen, die beide Probleme zugleich lösen wollen, gewissermaßen mit einem Panthersprung zu einem künftigen, vereinigten, bundesstaatlichen Europa. Das wäre dann eine Lösung, die bei Weitem, ja um Dimensionen größer ist als das Problem. Daran schließen sich wiederum zwei Fragen: 1. Ist es weise, eine Lungenentzündung durch eine Lungentransplantation zu bekämpfen? 2. Hilft es überhaupt?

Diejenigen, die diesen Panthersprung wollen, behaupten, dass der Weg zu einem vereinten Europa alternativlos sei. Das sollten sie lieber lassen. Denn es ist demokratisch immer hochgefährlich, wenn man die Bürger für etwas gewinnen will, indem man ihnen sagt, dass sie gar nichts zu wählen haben, außer vielleicht zwischen mehr Europa und Krieg oder mehr Europa und wirtschaftlichem Untergang. Will man wirklich das autoritäre Narrativ vom drohenden Krieg durch das ebenso autoritäre Narrativ vom nahen ökonomischen Untergang ersetzen?

Sie sollten es auch deswegen lieber sein lassen, weil sie diese Bürger noch brauchen werden, zum Beispiel für Plebiszite, die dann in vielen Ländern, auch in Deutschland, nötig werden, wenn die gegenwärtige Verfassung der EU, der Lissabonner Vertrag, geändert werden soll. Und ohne grundlegende gesetzliche Änderungen ist mehr Europa nun mal nicht zu haben.