Der Abschwung kommt , und bislang scheint die Politik nicht bereit, ihm sehr viel entgegenzusetzen: Schließlich sind die Kassen leer – und die zahlreichen Rettungsaktionen haben die Geduld und das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen strapaziert.

Für die Zurückhaltung gibt es Argumente: Das schuldenfinanzierte Wachstumsmodell ist an seine Grenzen gestoßen. Es wird Jahre dauern, bis die Wirtschaft ein neues Gleichgewicht gefunden hat und die Überschuldung abgebaut ist. Die Welt kann also nicht einfach weitermachen wie bisher. Selbst dann nicht, wenn die Politik immer mehr Geld bereitstellt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Staaten die Schwankungen der Konjunktur schicksalsergeben hinnehmen müssen – zumal wenn sie so gefährlich sind wie in diesen Wochen. Wenn die Krisenangst erst einmal die Börsianer, die Unternehmen und die Verbraucher lähmt, wird aus einer angemessenen Korrektur von Exzessen schnell ein ungebremster Absturz ins Bodenlose.

Eine schwere Krise aber reinigt nach aller Erfahrung nicht, sie zerstört – und sie trifft nicht nur jene, die es überzogen haben. Als die überschuldeten Amerikaner vor drei Jahren plötzlich kein Geld mehr ausgaben, brachen auch den sparsamen Deutschen die Absatzmärkte weg.

Es mehren sich die Anzeichen, dass die Weltwirtschaft jenen Punkt erreicht hat, an dem ein Rückschlag in eine Rezession umschlagen kann. Schon horten die Banken wieder Geld , statt es zu verleihen, und verschärfen damit die Krise. In Europa und den USA ist das Wirtschaftswachstum bereits zum Erliegen gekommen, in Asien schwächt es sich ab. Auch die boomende deutsche Wirtschaft wird sich einem globalen Abwärtssog nicht entziehen können.

Die Politik ist auf den Ernstfall bislang nicht vorbereitet. Ein erster Schritt wäre es, den nächsten Gipfel der G20 zum Weltwachstumsgipfel zu machen. Denn es gibt noch vieles, was die Staatengemeinschaft gegen die drohende Krise unternehmen kann – zumal wenn sie sich global abstimmt.

Die Zentralbanken können die Märkte mit frischem Geld fluten, weil Inflation keine Gefahr darstellt. Zwar haben die Zinsen in vielen Ländern schon einen Tiefpunkt erreicht, doch es gibt auch andere Wege, um die Konjunktur anzukurbeln – etwa den Aufkauf von Staatsanleihen. Die finanzstarken Staaten können ihre Sparprogramme aussetzen, weil sie mit billigem Geld überschwemmt werden, das die verstörten Investoren aus Südeuropa abziehen. Amerikanische Staatsanleihen sind ein echter Verkaufsschlager. Während sich die Zinskosten für Italien in den vergangenen Wochen verdoppelt haben, haben sie sich für Deutschland halbiert.