1. Gehaltsexzesse

Die Finanzkrise hatte gerade erst richtig begonnen, da standen für EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Schuldigen bereits fest: bonushungrige Manager. Die EU werde sich mit der "Frage der Vergütung von Führungskräften befassen", kündigte er im Oktober 2008 an. Und tatsächlich befassten sich sogar die 20 stärksten Wirtschaftsnationen (G20) mit Vorstandsgehältern, ehe die Bundesregierung 2010 neue Gesetze für Deutschland auf den Weg brachte. So sollte ein erheblicher Teil der variablen Vergütung, also Bonuszahlungen und Ähnliches, erst nach mindestens drei Jahren ausgezahlt werden – abhängig vom Ergebnis des Einzelnen wohlgemerkt. Zudem sollten mindestens 50 Prozent der variablen Vergütung aus Aktien oder vergleichbaren Instrumenten bestehen. Die Bundesregierung wollte die Manager damit erziehen. Weg von kurzfristiger Risikofreude, hin zu mehr Nachhaltigkeit. Auch mit garantierten Boni sollte Schluss sein.

Doch für den Managementprofessor Joachim Schwalbach von der Humboldt-Universität zu Berlin ist das verabschiedete Gesetzespaket nicht schlüssig. Die Regierung habe das wichtigste Ziel, den Nachweis von leistungsorientierter Vergütung, nicht erreicht: "Noch immer mangelt es an Transparenz über den Zusammenhang von Vergütung und der erbrachten Leistung für das Unternehmen." Schwalbach untersucht Jahr für Jahr die Vorstandsbezüge börsennotierter Unternehmen und beobachtet auch heute noch, dass die Gehälter der Vorstände bei guter Ergebnisentwicklung steigen, in schlechten Jahren aber nicht entsprechend sinken.

2. Risikofreude

Über zehn Jahre lang arbeiteten die Regulierer im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht an strengeren Eigenkapitalregeln für die Finanzbranche. Die Idee dahinter ist einfach: Je höher das Eigenkapital der Banken, desto größer ist der Puffer für den Fall, dass riskante Geschäfte schiefgehen. Doch kaum hatte die G20 (ohne Zustimmung der USA) diese neuen – Basel II genannten – Regeln umgesetzt, legte die Finanzkrise deren Konstruktionsfehler schonungslos offen: "Basel II hat die Auslagerung von Risiken aus den Bankbilanzen forciert", sagt Otto Steinmetz, Ex-Risikovorstand der Dresdner Bank. Das Kreditrisiko im Handelsbuch, also der Ausfall eines Handelspartners, sei nicht vernünftig berücksichtigt worden. Vor allem aber hätten die Regeln dazu geführt, das Ausfallrisiko im Aufschwung systematisch zu unterschätzen und im Abschwung zu überschätzen.

Der neue Versuch heißt Basel III : Ende 2010 haben sich die Staats- und Regierungschefs der G20 auf abermals verschärfte Regeln verständigt. So soll der wichtigste Eigenkapitalpuffer, das Kernkapital, künftig nur noch aus Grundkapital und einbehaltenen Gewinnen bestehen. Bis 2019 soll es von zwei auf sieben Prozent der risikobehafteten Bankgeschäfte in der Bilanz ansteigen. Besonders wichtige Großbanken wie die Deutsche Bank sollen zudem noch zusätzliches Eigenkapital von 1 bis 2,5 Prozent ansammeln. Banken, die sich nicht an die neuen Regeln halten, will EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier mit einer Geldbuße von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes bestrafen. "Wahrhaft abschreckend" solle das wirken, so Barnier. Die Verhandlungen dauern an.

3. Spekulation

Wie bekommen wir die Spekulanten in den Griff? Diese Frage treibt Politiker in der ganzen Welt um. In Deutschland zumindest wurde nicht nur geredet, sondern recht schnell gehandelt. Finanzminister Wolfgang Schäuble ließ im vergangenen Herbst ungedeckte Leerverkäufe verbieten . Mit diesen Finanzinstrumenten können Anleger gegen einzelne Unternehmen spekulieren – die Börse wird somit zum Wettbüro.

Schon die gedeckten Leerverkäufe sind unbeliebt in Politikerkreisen. Hierbei verkaufen Händler Aktien oder Anleihen, die sie sich nur von anderen geliehen haben. Sie wetten darauf, die Wertpapiere später günstiger am Markt zu kaufen, ihrem Verleiher zu übergeben und die Differenz als Gewinn zu verbuchen. Bei ungedeckten Leerverkäufen haben sie die Papiere nicht einmal geliehen. Sie verkaufen zum Beispiel Aktien, die sie zum Zeitpunkt des Verkaufs gar nicht besitzen, sondern sich erst später am Markt besorgen. Auch hier verdienen die Händler nur Geld, wenn die Kurse nach dem Verkauf fallen.