Als die Staaten der G20 im vergangenen Jahr in Basel die neuen Eigenkapitalregeln für die internationale Bankenbranche aushandelten , sorgte Jochen Sanio für einen Eklat. Bei der Abstimmung über die neuen Vorschriften hob der oberste deutsche Finanzaufseher die Hand und legte ein Veto ein, denn er fürchtete, dass die Pläne die deutschen Kreditinstitute über Gebühr belasten würden. Niemand sprang ihm bei.

Es war nicht der erste deutsche Alleingang. Ob in Basel, Brüssel oder Washington: Immer wieder fordern Deutschlands Unterhändler eine Sonderbehandlung für das hiesige Kreditgewerbe und manövrieren sich damit ins Abseits. Nicht erst seit dem Desaster der Landesbanken wird international der Vorwurf geäußert, die Deutschen wollten durch die zahlreichen Ausnahmegenehmigungen nur ihre schwachen Banken schützen – zulasten anderer Länder und ihrer eigenen Wirtschaft.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Die deutsche Finanzbranche ist so voller Eigenheiten, dass ihr einheitliche Regeln in vielen Fällen schlicht nicht gerecht würden.

Das beginnt damit, dass es in Deutschland – überspitzt formuliert – so gut wie keine privaten Banken gibt. Neben der Deutschen Bank ist unter den großen Instituten im Grunde nur noch die Commerzbank zu nennen. Und das auch nur, wenn es ihr denn gelingt, die Staatsbeteiligung wie geplant zurückzufahren. Die meisten Deutschen kümmert das wenig. Sie haben ihr Konto bei einer Sparkasse oder einer der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Institute, die Volksbanken genossenschaftlich organisiert. Auch die Landesbanken befinden sich in der Regel in öffentlicher Trägerschaft.

Die Dominanz des Staates bringt eine Reihe von Besonderheiten mit sich. Die wichtigste Stellschraube für die Regulierung der Banken ist das Eigenkapital – jenes Kapital, das der Bank unwiderruflich gehört und das zum Ausgleich von Verlusten herangezogen werden kann. Bei privaten Banken sind das in der Regel die von ihnen ausgegebenen Aktien. Das Kapital der meisten staatlichen und genossenschaftlichen Institute aber besteht aus Einlagen der Eigentümer, aus sogenannten stillen Beteiligungen.

Würden, wie es in den Basler Verhandlungen zeitweise erwägt wurde, nur Aktien als zulässiges Eigenkapital akzeptiert, wären eine ganze Reihe von deutschen Banken auf einen Schlag bankrott – obwohl viele der hierzulande gängigen Einlagen die Verluste einer Bank genauso gut abfedern können wie Aktien. An der Wall Street oder in der Londoner Finanzmeile jedoch versteht kaum jemand, was eine stille Einlage eigentlich ist.

Und die Besonderheiten sind nicht auf das Eigenkapital beschränkt. Für die Immobilienfinanzierung etwa gelten hierzulande viel strengere Regeln als in den angelsächsischen Staaten, sagt Bankenpräsident Andreas Schmitz . Wer in Deutschland einen Kredit für den Hausbau aufnehmen will, braucht in der Regel mehr Eigenmittel als in Großbritannien oder in den USA.