Amerika in der Krise? Nichts Neues unter der Sonne. Als die Amerikaner am 2. November 1976 Jimmy Carter, den Gouverneur von Georgia, zu ihrem 39. Präsidenten wählten, befanden sich die USA gleich in einer dreifachen Krise. Die Nachbeben des Watergate-Skandals waren allenthalben zu spüren. Hinzu kam das Trauma des verlorenen Vietnamkriegs; ein Jahr zuvor war Südvietnams Hauptstadt Saigon gefallen.

Vor allem aber steckten die USA in einer ausgemachten wirtschaftlichen Depression. Der erste "Ölpreisschock" 1973 zog nicht nur eine kurzfristige Vervierfachung der Ölpreise nach sich. Für Amerika hatte er zweistellige Inflationsraten zur Folge und einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf über 12 Prozent.

Überall im Land sah man den Horizont verdunkelt. Die "Grenzen des Wachstums" , die Dennis Meadows und seine Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) wenige Jahre zuvor in ihrer gleichnamigen Studie beschrieben hatten, schienen näher zu kommen. Ihr Bericht, 1972 dem Club of Rome vorgelegt, gipfelte in dem Fazit, dass die Erde spätestens im Jahre 2100 ihre absoluten Wachstumsgrenzen erreichen werde, wenn die Zunahme der Weltbevölkerung und der Industrialisierung, der Anstieg der Umweltverschmutzung und der Nahrungsmittelproduktion sowie die Ausbeutung natürlicher Rohstoffe unverändert anhielten.

Zwei Jahre später veröffentlichten Meadows und andere Forscher einen Folgebericht. Ihre Studie Menschheit am Wendepunkt endete mit der Erkenntnis, dass die gegenwärtigen Krisen keineswegs temporär seien. Man könne sie nur langfristig und in einer globalen Anstrengung überwinden. Viele alte Rezepte würden dabei wohl versagen.

Schon "Global 2000" warnt 1980 vor den Gefahren des "Treibhauseffekts"

Diese etwas dürre Quintessenz ließ die meisten Leser ziemlich ratlos zurück. Ein "hohles und irreführendes Werk", schrieb die New York Times Book Review , ein Buch, das "die Hochwassermarke altmodischen Unsinns" erreicht habe, spottete der Londoner Economist . Namhafte Ökonomen wie der amerikanische Nobelpreisträger Paul A. Samuelson sprachen von einer mehr als wackligen Datenbasis und warfen der Studie vor, die technische Innovationsfähigkeit unberücksichtigt gelassen zu haben.

Nach dieser Kritik wollte Präsident Carter es besser machen. Der 52-jährige Erdnussfarmer hatte zwar bis dato über sein Wirken als Gouverneur von Georgia hinaus so gut wie keine Rolle in der Politik gespielt, und die Presse war noch während des Wahlkampfs herzlich über "Jimmy Who?" hergezogen. Doch gerade in seiner Außenseiterrolle sah er eine Chance. Von Anfang an verstand er sich als der Mann aus dem Volke, der für mehr Moral und Ehrlichkeit in der Politik eintrat.

Zum neuen, anderen Anspruch dieses Präsidenten gehörte es, auch andere Themen zu setzen als seine Vorgänger und neue Fragen zu stellen. Angesichts der heftigen Wirtschaftskrise und des zweifelhaften Ruhms der USA, weltweit Energieverschwender Nummer eins zu sein, wurde Nachhaltigkeit – sustainability – zu seinem Thema. Carter war es, der im August 1977 das Department of Energy ins Leben rief und damit deutlich machte, dass Energiepolitik von nun an mehr war als nur ein Sektor der Wirtschaftspolitik.

"Umweltprobleme", hatte er kurz zuvor im Kongress verkündet, "machen nicht Halt an Ländergrenzen. Im vergangenen Jahrzehnt haben wir und andere Nationen die Dringlichkeit internationaler Anstrengungen zum Schutz unserer gemeinsamen Umwelt erkannt."

In der Tat waren die USA mit gutem Beispiel vorangegangen. Bereits 1969 hatte Präsident Richard Nixon den Council on Environmental Quality gegründet, der jährlich einen Bericht zur ökologischen Lage der Nation verfassen und den Präsidenten beraten sollte. Außerdem wurde ein umfassendes Umweltschutzgesetz verabschiedet, der National Environmental Policy Act. Diesem folgten in den siebziger Jahren eine Reihe von weiteren Gesetzen – und bereits 1970 die Einrichtung der personell gut ausgestatteten Umweltbehörde.