Wenn der Bundestag früher über den Haushalt diskutierte, war das mehr als ein parlamentarisches Ritual. Der Haushalt war der in Zahlen geronnene Leistungsnachweis der Regierung; die Bestandsaufnahme der Lage des Landes. Nicht nur der Finanzminister sprach zu den Abgeordneten; alle Minister legten Rechenschaft ab. Der Tag, an dem die Kanzlerin redete, war die Gelegenheit zur Generalabrechnung. Große Reden wurden in der Haushaltswoche gehalten, es gab hitzige Wortwechsel, und vieles galt als Sternstunde des Parlaments.

Heute wird zwar immer noch geredet, gestritten und abgerechnet. Aber mehr als ein Ritual ist es nicht. Denn in der Krise wirkt die Haushaltsdebatte wie aus einer anderen Zeit. Regierung wie Opposition tun so, als wäre immer noch Aufschwung – und als ginge es nicht bereits darum, wie viele Haushaltsrechte der Bundestag künftig noch hat.

Man merkt das, wenn der Finanzminister über die sinkende Neuverschuldung Deutschlands spricht – aber nichts zu den möglichen Folgekosten der Euro-Krise sagt. Man merkt es, wenn Wolfgang Schäuble einen Finanzplan vorstellt, der bis ins Jahr 2015 reicht – aber schon 2012 überholt sein dürfte, sollte sich die Krise so weiterentwickeln wie zuletzt. Man merkt es, wenn die SPD am Rande der Debatte ein detailreiches Steuer- und Abgabenkonzept vorlegt – so detailreich, dass es sogar um Branntweinsteuern und die Umsatzsteuerbefreiung für Versicherungsvertreter geht –, während die gleiche SPD dafür wirbt, viele Steuern europaweit zu koordinieren.

Am Mittwoch urteilte das Verfassungsgericht über das erste Griechenland-Rettungspaket . Und am Ende dieser Woche ringt die Regierung im Parlament um eine eigene Mehrheit für den neuen, viel größeren Rettungsschirm. Die Euro-Krise überlagert alles und beeinflusst alles. Auch die Haushaltsplanung.

Denn wenn es schlecht läuft und die Euro-Zone auseinanderbricht, kommen auf Deutschland Ausgaben zu, die jeden Rahmen sprengen. Aber auch wenn es gut läuft, ist der Finanzplan Makulatur. Schließlich arbeitet die Regierung an einer engeren Koordinierung mit Frankreich, an gemeinsamen Unternehmensteuern und vielem mehr. Das könnte 2013 kommen – und brächte die Aufgabe nationaler Souveränität mit sich. Denkt man die Idee einer Wirtschaftsregierung zu Ende, hätte der deutsche Haushalt künftig nur noch jene Bedeutung, die das Budget Bayerns heute für die Bundesrepublik hat.