Die Debatte um das Internet der Zukunft hat begonnen. Wissenschaftler und Studiengruppen, von Harvard bis Oxford, arbeiten in diesen Tagen an wirklich durchgreifenden Reformideen. Sie alle eint die Motivation: Good enough reicht ihnen nicht mehr. »Einfach weiter so« kann es für sie nicht geben , denn: Das Internet ist zur wichtigsten Infrastruktur der Gegenwart geworden und braucht eine größere Tragfähigkeit für die kommenden Jahrzehnte.

Mit anderen Worten: ein historisches Reformprojekt. Hier die besten vier Ideen aus der aktuellen Debatte.

1.Manches gehört nicht ans Netz

Kostendruck und Erfindergeist haben einen heillosen Trend ausgelöst: Kraftwerke und Stromumspannanlagen, Verkehrsleitsysteme und lebenswichtige Computer in Krankenhäusern, Flughafeneinsatzzentralen und alle möglichen Arten großer, schwerer Gerätschaften und Industrieanlagen bekommen neuerdings einen Internetzugang.

Doch der Nutzen und die Gefahren stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander.

Solche Anlagen und Einrichtungen – oder zumindest die kritischen Computer darin – müssen konsequent vom Internet abgeklemmt werden . Es darf auch nicht möglich sein, dass ein Mitarbeiter oder Gast dort seinen mitgebrachten Laptop anschließt oder USB-Sticks einsteckt. Entnetzt muss hier das Motto sein.

Das klassische Beispiel, das diese Vorstellung illustriert, ist der US-Geheimdienst NSA. Es gibt dort zwei Computernetze, und auf vielen Arbeitsplätzen stehen sogar zwei Computer mit zwei Bildschirmen. Einer mit rotem Rand und einer mit grünem Rand. Die roten Computer sind an ein öffentliches Netz angeschlossen, das ungefähr dem Firmennetz in einem Konzern entspricht: Man kann damit Datenbanken aufrufen, mit Kollegen kommunizieren und im Internet surfen. Die grünen Computer bilden ein ausschließlich internes Netz, in dem geheime Unterlagen und hochsensible Dokumente bearbeitet werden können.

Manche Einrichtungen (Atomkraftwerke) müssen also ganz vom Netz, bei anderen (Meldeämter) braucht man zumindest digitale Schleusenwärter, die mächtiger sind als die heute üblichen Firewalls. Und man muss beschränken, was auf solchen offeneren internen Rechnern geschehen darf: bestimmt kein Internetsurfen, bestimmt nicht das Starten jedweder Programme.

Ein rotes Netz und ein grünes Netz – das könnte nach den Vorstellungen einiger Vordenker auch die Zukunft des Internets sein.

2.Schadenersatz für Datenverlust

Jede Woche melden Firmen oder Behörden, dass sie die Daten, die sie speichern oder befördern, nicht haben schützen können. Sie sind ihnen verloren gegangen, gestohlen worden – wie auch immer, sie vagabundieren im Netz. Um das zu bekämpfen, braucht man einen weitaus größeren ökonomischen Anreiz als bisher.

Vorbild dafür könnte das Umweltrecht sein. Hier haben die Gesetzgeber in vielen Ländern pauschalierte Schadenssummen für bestimmte Delikte festgesetzt. Nur deshalb zahlt BP heute viele Milliarden Dollar.

Aber bei Datenverlusten und Vergehen gegen den Datenschutz ? Google sagt »Entschuldigung«, wenn es wie bei Google Street View unerlaubt Daten sammel t. Amazon sagt erst mal »sorry«, wenn Daten in der Cloud verschwinden. Sony verschweigt seinen Kunden tagelang, dass ihre Daten gestohlen wurden, und verschenkt dann ein paar Gutscheine.