DER HOODIE
2010er Jahre


Kleidung markiert in der britischen Klassengesellschaft traditionell sozialen Status. Protzt die Gentry mit Zylinder, so haben die unteren Schichten ihre eigenen Codes. Das aktuelle Schreckgespenst des britischen Bürgertums, der Chav (Proll), trägt eine vergoldete Panzerkette und bequem sitzende Jogginghosen aus bunt gemusterter Fallschirmseide. Zieht sich der Chav eine Kapuze (hood) über, so verwandelt er sich flugs in den für Eigentumsdelikte und Stichwaffengebrauch berüchtigten Hoodie. Diese Vermummungskultur geht auf die fast 4,5 Millionen Überwachungskameras zurück, die in Großbritannien allerorten Sicherheit simulieren, vor allem aber Rekordumsätze in die Kassen der Hersteller von Kapuzenpullis spülen. Manche Einkaufszentren haben daher bereits Kapuzenverbote verhängt.

DER CASUAL
seit den 1970er Jahren

Ursprünglich zierte das feine beige-braun karierte Tuch britische Damen beim High Tea. Die Frage, warum sich ausgerechnet gewaltbereite Fußballfans die Kleidung der Marke Burberry als Kampftracht ausgesucht haben, beschäftigt Doktoranden im Fach Cultural Studies. Hooliganism hat eine lange Tradition in Großbritannien. Der originäre Beitrag der Casuals zur britischen Gewaltgeschichte seit den Siebzigern ist die Erkenntnis, dass es gar kein Fußballspiel mehr braucht, um sich mit anderen Fans zu schlagen. Heute gilt auch der Stern des Herstellers Stone Island als heimliches Wappen der Casuals. Sollte Ihnen beim nächsten Insel-Urlaub eine Gruppe teuer gekleideter junger Männer mit Kurzhaarfrisur begegnen, könnte dies ein guter Moment für den Wechsel der Straßenseite sein.

DER PUNK
seit den 1970er Jahren

Ob diese Bewegung in Großbritannien oder in den USA entstand, ist umstritten. Inzwischen ist Punk durch Bücher und Feuilleton-Elogen so in die Kulturgeschichte eingemeindet, dass sich kaum einer daran erinnert, dass auch diese Jugendkultur einmal eine moral panic auslöste. Als sich im »Punk-Sommer« 1977 auf der Londoner King’s Road Punks im Wochenrhythmus Schlägereien mit Neo-Teds lieferten, diskutierte man Auftrittsverbote für Punk-Bands. Gefärbte Haare und Stachelhalsbänder, vor allem aber Slogans wie »No Future!« führten zu der Frage: Verliert die Gesellschaft den Kontakt zur Jugend? Dass es so schlimm um diese nicht gestanden haben kann, zeigen die Karrieren ehemaliger Großstadtindianer, die heute als Kulturschaffende ihre eigene Pubertät historisieren.

DER SUEDEHEAD
seit den 1960er Jahren

Der kurzhaarige Suedehead geht auf den kahl rasierten Skinhead zurück, der heute als Prototyp des gewaltbereiten Rechtsextremisten gilt. Das war nicht immer so: Skins waren Ende der Sechziger eine Gegenreaktion auf die modeorientierten Mods. Sie inszenierten sich als Mitglieder der Arbeiterklasse und trugen Sicherheitsstiefel und den wollenen donkey coat britischer Müllmänner. Von karibischen Migranten übernahmen sie Ska- und Reggae-Musik und tanzten mit ihnen im Club. Als Anfang der Siebziger Neonazis die Skins unterwanderten, besannen sich einige von ihnen auf ihre antirassistischen Wurzeln, hörten Soul, ließen sich die Haare wieder einen halben Zentimeter wachsen und nannten sich in Abgrenzung von den Glatzen Suedeheads: Wildlederköpfe.