Salzburg im Sommer ist eine riesige Kunstkirmes. Der Festspielzirkus ist in der Stadt, Touristen kämpfen mit bunten Kunstdruck-Schirmen gegen den legendären Salzburger Schnürlregen, und in den schmalen Altstadt-Gässchen gibt es kaum noch etwas anderes zu kaufen als Mozartkugeln – und Kunst.

Während in den Großstädten der Kunstmarkt Urlaub macht, herrscht in den Salzburger Galerien Hochbetrieb, viele legen ihre Ausstellungen exakt auf die Festspielzeit. Immerhin steigen die Besucherzahlen in dieser Zeit um das Zehnfache, sagt Thaddaeus Ropac, Gründer der gleichnamigen Galerie. Wer sich also eher ungestört der bildenden Kunst widmen möchte, der kommt jetzt, nach dem Ende der Festspielzeit. Noch bis 24. September zeigt Ropac in seinem Stammhaus in der Villa Kast am Mirabellplatz und noch bis Mitte Oktober in der Halle in der Salzburger Vorstadt Anselm Kiefers 2011 entstandene Werkserie Alkahest .

Das Kunstwort Alkahest bezeichnet ein nur hypothetisch existierendes Lösungsmittel, das jede existierende Substanz auflösen kann. Thematisch entstammen die Arbeiten des Beuys-Schülers Kiefer wie immer einem ganzen Universum aus Symbolik, Theorie und Mythologie. Gedichte von Hölderlin und Goethe sind es dieses Mal, die Philosophie von Heidegger, Altes Testament und nordische Mythen. Da müssen die Gemälde und Skulpturen schon allein deshalb so wuchtig und monumental sein, um nicht vom Gewicht dieses thematischen Unterbaus hinabgezogen zu werden. Besonders in der 2010 neu gebauten Kunsthalle mit ihren 2.600 Quadratmetern finden diese Arbeiten den nötigen Raum, um sich zu entfalten.

Bereits zur Eröffnung Ende Juli waren alle Werke der Ausstellung verkauft, darunter das gut drei mal sechs Meter messende Dissolutio (820.000 Euro). Daran ändert auch die neuerliche Endzeitstimmung an den Börsen nichts: "Es gab keine Stornierungen, nicht einmal leises Zögern. Und selbst wenn – wir könnten nach wie vor einige dieser Werke platzieren." Qualität, sagt Ropac, überstehe eben jede Krise. 2008 habe sich gezeigt, dass man Vertrauen in den Kunstmarkt haben könne, und so seien es einzig junge, wenig bekannte Künstler und die entsprechenden Galerien, die zu leiden hätten. "Wenn Geld da ist, kauft man einfach risikoreicher."

Die Festspiele, auf ihre Art ja selbst ein Kunstmarkt, waren früher "extrem wichtig" für die Galerie Ropac, heute dienen sie eher als exklusiver Rahmen. "Gerade bei einer so wichtigen Ausstellung mit neuen Arbeiten sind die Werke ja schon vorab platziert. Es gibt da einen gewissen Weltmarkt an Sammlern, der hat mit Salzburg nicht so viel zu tun. Aber es ist immer noch ein wichtiger Ort, wir laden gerne Sammler und Künstler hierher ein."

"Der Sommer ist ein wichtiger Umsatzbringer", befindet dagegen Christian Gschwandtner, Galerieleiter in Salzburg und Geschäftsführer der Rudolf Budja Galerie. "Ich glaube, die meisten Galerien machen hier den wichtigsten Teil ihres Jahresumsatzes, zumindest am Standort Salzburg." Die Galerie zeigte zur Festspielzeit in Kooperation mit dem Museum der Moderne am Mönchsberg Werke zum Thema Rollenbilder-Rollenspiele, unter anderem von Andy Warhol oder dem russischen Künstlerkollektiv AES+F. Im Palais Küenburg, direkt am Festspielbezirk gelegen, verzeichnet die Galerie im Sommer deutlich höhere Besucherzahlen. Eigentlich, erzählen Gschwandtner und Verkaufsmanager Christoph Haas, bringen die Festspiele auch immer reichlich Neukunden, 2011 seien es aber nicht ganz so viele gewesen. "Amerikaner und Südamerikaner besuchen verstärkt die Festspiele. Die kommen nach wie vor auch zu uns, aber sie nehmen nichts mehr mit. Sie sagen ganz ehrlich, sie hätten an den Börsen viel verloren, seien sehr verunsichert und könnten gerade nichts kaufen."