Friederike Brüning ist daran gewöhnt, dass Pläne sich ändern können. In ihrer Schulzeit habe sie nie gewusst, was sie einmal werden will, erinnert sie sich. Nur eines war immer klar: "Auf keinen Fall Lehrerin." Doch nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr ahnte sie: Der Beruf muss schön sein. Das Problem ist der Weg dorthin.

Seit einem Jahr studiert die 20-Jährige im "lehramtsbezogenen Bachelor-Studiengang allgemeinbildende Schulen". Welchen Abschluss sie einmal haben wird, weiß sie allerdings noch nicht: Eigentlich folgen auf den sechssemestrigen Bachelor vier Semester im Master. Das jedenfalls gilt, seit im Jahr 2006 die Lehramtsstudiengänge in Sachsen reformiert wurden. Doch inzwischen erfolgte die Reform der Reform: Sächsische Lehrer sollen künftig wieder wie früher ein Staatsexamen ablegen, vom Wintersemester 2012/13 an sollen die entsprechenden Studiengänge in Dresden und Leipzig starten. Wie Brüning dann studieren wird, steht noch in den Sternen. "Keiner weiß, was Sache ist", sagt sie. "Die Informationen darüber, ob und wie die Master-Leute ins Staatsexamen wechseln können, sind total schwammig." Momentan würde die Dresdnerin gern wechseln, weil sie gehört hat, dass der Staatsexamens-Studiengang nicht so vollgepackt sei. Doch sie hat Zweifel, ob sie mit einem Abschluss, den die meisten anderen Bundesländer in ihrer Lehrerausbildung nicht mehr anbieten, Chancen außerhalb Sachsens hat.

Brüning ist mit ihrer Studienwahl mitten in den Versuch der Staatsregierung gerutscht, im letzten Moment eine Katastrophe abzuwenden. Schnellstmöglich sollen die Universitäten neue Lehrer ausbilden. Kultusminister Roland Wöller (CDU) und Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemmer (parteilos) betonen zwar, es gehe ihnen bei der Reformreform nur um Qualität, weil sich die Bachelor-Master-Ausbildung nicht bewährt habe; doch vor allem hofft man, dass die Verkürzung der Studiendauer für Grund- und Mittelschullehrer um zwei oder ein Semester und die Halbierung des Referendariats auf ein Jahr möglichst bald möglichst viele Absolventen hervorbringen.

Denn kaum eine Berufsgruppe wird im Freistaat künftig begehrter sein als die Lehrer: Weil bis zum Jahr 2030 mehr als 73 Prozent der jetzt aktiven Pädagogen in den Ruhestand gehen, droht ein gravierender Lehrermangel. Allein in den kommenden acht Jahren wird mehr als ein Viertel der Lehrer die Schulen für immer verlassen. Das beunruhigt auch Kultusminister Wöller, der bisher einen Lehrerüberhang zu verwalten hatte. Als es kurz nach der Wende einen massiven Geburtenknick gab und in der Folge die Schülerzahlen sanken, entschied sich das Land gegen Entlassungen. Über Teilzeitregelungen wurden die überzähligen Lehrer im System gehalten, junge Kräfte wurden in den letzten zehn Jahren kaum eingestellt; und nur ein Bruchteil der Absolventen gelangte ins Referendariat.

Die Minister Wöller und Unland ringen um die Zahl der Pädagogen

Das soll sich ändern. Als ersten Schritt kündigte der Kultusminister an, die Zahl der Referendarstellen in diesem Jahr von 650 auf 900 zu erhöhen; im nächsten Schuljahr sollen nochmals 573 Plätze dazukommen. Mindestens die Hälfte der Referendare soll künftig übernommen werden.

Nicht nur das: In einem Zeitungsinterview sagte Wöller, er wolle die derzeit 29.000 Lehrerstellen nicht gravierend reduzieren – eine Kampfansage an Finanzminister Georg Unland (CDU). Denn dieser will bis zum Ende des Jahrzehnts jede fünfte Stelle im öffentlichen Dienst abbauen und die Zahl der Lehrer auf rund 23.000 abschmelzen.