Anfang. Zum Sendestart am 1. Januar 1992 sah man im MDR-Fernsehen zwei aufgekratzte Moderatoren mit Sektgläsern in Leipzig stehen und sprechen, doch keiner verstand sie – zu hören waren Töne aus Potsdam, wo parallel der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg anfing. Die Panne war schnell behoben; einige Geburtsfehler blieben. Binnen eines Jahres musste der neue Sender aufgebaut werden. Zur eilig rekrutierten Belegschaft zählten viele DDR-Altlasten und weggelobte Westkader. Und die knappe Anschubfinanzierung von 560 Millionen DM besserte man mit riskanten Börsengeschäften auf. Es wurde improvisiert ohne Ende. Nicht nur in der Anfangszeit.

Besenrein. So wollte MDR-Intendant Udo →Reiter , der nun vorzeitig sein Amt abgibt, die skandalgebeutelte Anstalt an einen Nachfolger übergeben. Kritiker schimpfen: Reiter, der sein Büro in einem früheren Schlachthof hat, hinterlasse einen "Saustall".

CDU. Regierungspartei in allen drei MDR-Ländern, auch im äußerst sendungsbewussten Sachsen. Dessen Staatskanzleichef Johannes Beermann (CDU) koordiniert seit Kurzem die Medienpolitik der unionsregierten Bundesländer – und versucht sich bei der Kür einer neuen MDR-Führung als Strippenzieher, auch mit brachialer Polemik. "Kaum eine Instanz in diesem Sender ist intakt", sagte Beermann. Er ließ offen, wie das sein kann, da doch seine Partei in den Kontrollgremien seit jeher maßgeblich mitredet.

Dreiländeranstalt. Der fünftgrößte ARD-Sender hat 8,7 Millionen Menschen im Einzugsgebiet. Neben der Zentrale in →Leipzig mit einer Betriebsstätte für den Hörfunk in Halle gibt es Landesfunkhäuser in Dresden, Magdeburg, Erfurt. Das Programm "soll der Information und Bildung sowie der Beratung und Unterhaltung dienen".

Escher, Peter. Robin Hood Mitteldeutschlands. Seit 1995 präsentiert der selbst erklärte "Journalist mit großem Gerechtigkeitsempfinden" sich und seinen wöchentlichen MDR-Ratgeber, bekannt geworden als Ein Fall für Escher . In einer weiteren Sendereihe, Die Spur der Täter, ist der 57-Jährige mit der Kripo Verbrechern auf den Fersen. Die Aufklärung dubioser →Machenschaften in seinem Sender ist hingegen kein Fall für Escher, sondern für Ingmar Weitemeier, früher Direktor des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern. Ihn hat der MDR als Chefermittler eingesetzt.

Foht, Udo. Spitzname "Ufo". Kommt vom DDR-Fernsehen und überstand die Wende. Stieg zum MDR-Unterhaltungschef auf und galt bald als bieder-bizarres Genie, als Entdecker von Volksmusikstar Florian Silbereisen und Erfinder quotenstärkster Schunkel-Shows. Foht wurde einer der Mächtigsten beim Sender. Bis man ihn Ende Juli 2011 suspendierte: Der 60-Jährige soll von Produktionsfirmen und Geschäftsfreunden Zehntausende Euro gepumpt und mit den Leihgaben des einen die Schulden beim anderen beglichen haben – teils soll er sein persönliches Schuldenmanagement auf Briefpapier des MDR betrieben haben. Die "Briefpapier-Affäre" und sein Konstrukt aus Schuld und Schein brachten Foht die fristlose Kündigung. Karola Wille, die Juristische Direktorin, soll den Fall aufgeklärt haben – was ihr bei der →Intendantenwahl aber nicht genützt hat.