Zur Welt kam er als Sturzgeburt, seiner Mutter gelang es gerade noch, aus dem Ballsaal seines großväterlichen Anwesens in die Damengarderobe zu flüchten. Dass er ein Siebenmonatskind war, mag etwas mit der "Wirbelwindromanze" seiner Eltern zu tun gehabt haben. Sein Vater, der "tolle Kerl", hatte mit der rasch geschlossenen Ehe gegen den Willen der Familie Fakten geschaffen. Die Mutter war eine Schönheit, auch reich, aber eine Ausländerin mit leicht exotischem Einschlag und Tochter eines Parvenüs. Für ihren Sohn war sie eine "Märchenprinzessin", die er von ferne anbetete. Näher war ihm die Kinderfrau, der er übergeben wurde, bei ihrem Tod vergoss er als Erwachsener bittere Tränen, und ihr Porträt begleitete ihn bis an sein Lebensende. So wie das familiäre Tableau seiner Geburt ihn prägte, charakterisierte ihn das Ungestüm, mit dem er auf die Welt drängte, und Stürze, jähe Abstürze im Wechsel mit Höhenflügen, markierten seinen Lebensweg.

Da war zunächst der Abgrund, in den das Spielkind mit Eintritt in die Schule geriet, eine Hölle des Stumpfsinns, ständiger Prügelstrafen und der Ausgrenzung. Das Stottern und Lispeln, das er hier erwarb, wurde er nie wieder ganz los. Wissen hingegen erwarb er nicht. Für den bewunderten, berühmten Vater war er eine Niete. Als er den Sohn bei einem seltenen Gespräch fragte, ob er Soldat werden wolle, sagte der, begeistert über so viel väterliche Anteilnahme, zu.

Fünf Jahre später war er ein Nationalheld. Nach dem Tod des Vaters Herr seines eigenen Geschicks, hatte er mutig und übermütig Abenteuer gesucht und mit viel Sinn für PR Aufsehen erregt. Als einen "Helden von fünf Kriegen und Autor von sechs Büchern" und kommenden Mann seines Landes stellte ihn ein berühmter Schriftsteller vor. Daran zweifelte er nicht, er war überzeugt, zu Großem berufen zu sein. Aber die Mühlen der Macht mahlten ihm zu langsam, so wechselte er mit hochmütiger Geste die Lager und galt fortan als Renegat. Und machte Karriere. Fast ganz oben auf der Leiter, fiel er nach einem Debakel aus allen Ämtern und musste ohne Einfluss in einer historischen Zeit wieder von vorn beginnen. "Wer sich verbessern will, muss sich wandeln, und wer vollkommen werden will, muss sich sehr oft wandeln" – nach diesem Motto war er bald wieder obenauf. Ein brillantes Talent, dem niemand mehr traute, das sich in seiner Außenseiterrolle eingerichtet hatte und wortgewaltig allen rein- und sich selbst schließlich ins Aus redete. Eine lange Zeit in der "Wüste" folgte, in der er erfolgreich seinem zweiten Beruf und diversen Hobbys nachging. Und als einsamer Rufer ungehört aber unverdrossen immer drängender warnte, bis der Lauf der Geschichte eine Konstellation ergab, die ihn zum Mann der Stunde machte. "Endlich hatte ich die Macht über das Ganze und konnte Befehle geben. Ich hatte das Gefühl, mit dem Schicksal zu wandeln. Mein ganzes vergangenes Leben schien mir jetzt nichts als eine Vorbereitung gewesen zu sein." Der Rest ist Geschichte. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 36:
Silvia, Königin von Schweden, geboren am 23.12.1943 als Silvia Renate Sommerlath, heiratete am 19. Juni 1976 den schwedischen König Carl XVI. Gustaf und bekam mit ihm drei Kinder. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München hatten sich die Dolmetscherin und der Thronfolger kennengelernt. Silvia ist berühmt für ihr soziales und humanitäres Engagement bei gut 60 Charity-Einrichtungen, 1999 gründete sie die World Childhood Foundation. 2010 heiratete Silvias älteste Tochter, Kronprinzessin Victoria, Daniel Westling. Ein Lichtblick für die Königin in einem Jahr, in dem sie viel über Affären ihres Gatten und die NS-Vergangenheit ihres gestorbenen Vaters Walther lesen musste